Gastbeitrag: Changemanagement im Rahmen der Digitalisierung - Veränderungsbereitschaft (Teil 1)

„CHANGE IST DOOF“


Diese drei Worte brachten mich doch zum Schmunzeln, als ich das Büro eines Mitarbeiters der Personalentwicklung betrat und mir dieser Satz in Großbuchstaben von der Wand entgegenschlug. “Na, da hast du dir ja genau den richtigen Job ausgesucht“ war meine erste Reaktion. Die des Kollegen war eine andere.

Trotz seiner Begeisterung für Changemanagement, war es ihm immer wieder wichtig, sich die natürliche Reaktion von Menschen auf Veränderung vor Augen zu halten. Veränderung bedeutet Gewohntes, Vertrautes und vielleicht Liebgewonnenes aufzugeben. Sie erfordert Mut und verspricht im Gegenzug Ungewissheit und Verunsicherung.

Fragen Sie eine Gruppe von Mitarbeitern, ob sie glauben, dass es für ihr Unternehmen nötig ist, sich zu verändern, werden Sie wahrscheinlich laute Zustimmung ernten. Fragen Sie dann die Mitarbeiter, ob diese sich selbst ändern müssen, werden Sie vielleicht den einen oder anderen finden, der Ihre Frage bejaht. Fragen Sie zuletzt aber den einzelnen Mitarbeiter, ob er in der Konsequenz bereit ist, seine persönliche Arbeitsweise aufzugeben und Neues zu erlernen, könnte es Ihnen passieren, dass Sie hochkant aus dem Raum fliegen.

Die Erfahrung zeigt, dass eben diese mangelnde persönliche Bereitschaft Auslöser für Widerstand ist – oft einhergehend mit rationalen, emotionalen oder politischen Gründen.
Daher an dieser Stelle zwei pragmatische Tipps, die helfen, die persönliche Bereitschaft Beteiligter und Betroffener für Veränderungen zu erhöhen.


Erzählen Sie Geschichten
Um bei anderen Verständnis für eine Veränderung zu schaffen, muss diese greifbar sein. Durch das Storytelling gelingt es, ein lebendiges Bild der Situation, des Wandels und der erhofften Zukunft zu erzeugen. Geschichten dienen oft als Augenöffner, der zum kritischen Hinterfragen der aktuellen Situation anregt und eine Veränderung im Geiste aller unumgänglich macht. Erfolgskritisches Element der Veränderungsgeschichte ist dabei das Gefühl von Notwendigkeit und Dringlichkeit. Der Protagonist darf gar keine andere Wahl haben, als ins Ungewisse aufzubrechen. Ihre Geschichte sollte außerdem Hindernisse und Konflikte während der Veränderung beschreiben und dabei die Emotionen der Zuhörer ansprechen. Besonders gut gelingt dies, wenn eben diese Personen zum Teil der Geschichte werden. Am Ende der Veränderungsgeschichte sollte eine bessere, jedoch realistische und erreichbare Situation stehen.

Tipp: Entwickeln Sie zusätzlich ein kreatives Storyposter, vielleicht als Comic, das die Geschichte untermalt und veranschaulicht. Dies kann besonders gut bei Roadshows oder Kickoff-Veranstaltungen eingesetzt werden.

Machen Sie Ihre potenziellen Gegner frühzeitig zu Komplizen
Stellen Sie sich vor, Sie möchten den Sommerurlaub mit Ihrem Partner in Norwegen verbringen – ganz abenteuerlich mit Rucksack und Zelt. Das ist nur leider überhaupt nichts für Ihre bessere Hälfte. Er oder sie liebt die Finca auf Mallorca und die spanische Sonne. Sie haben jetzt die Möglichkeit mit Ihrer ausgefertigten Idee inklusive geplanter Route auf Ihren Partner zuzugehen und diese zum Besten zu geben. Sie erinnern sich vielleicht an die eben angesprochene Gefahr, hochkant aus dem Raum zu fliegen; diese besteht hier leider wieder.

Effektiver ist es, den anderen zum Komplizen zu machen. Hierbei ist es wichtig, dem Gegenüber das Gefühl zu vermitteln, dass noch nichts entschieden ist. Es gibt lediglich eine Idee, an der Sie gemeinsam arbeiten können, die Sie gemeinsam weiterentwickeln und gestalten können. Dies ist bei Veränderungsprozessen im Arbeitsumfeld nicht anders. Die Beteiligung und die Möglichkeit zur Mitgestaltung der Veränderung generieren ein „Wir-Gefühl“ und steigern deutlich die persönliche Bereitschaft zur Veränderung.

Im Rahmen der Digitalisierung ist nicht nur das Wollen, also die Bereitschaft zur Veränderung, sondern ebenso das Können ein erfolgskritischer Faktor. Im zweiten Gastbeitrag möchte ich das Thema der Veränderungskompetenz in den Fokus stellen und einige pragmatische Hilfestellungen hierzu geben.

Beste Grüße
Leonie Benndorf

Über unsere Gastautorin:

Leonie Benndorf ist Wirtschaftspsychologin und arbeitet bei PPI im Bereich Consulting Versicherungen.
Mit ihrem fachlichem Wissen zu Prozessoptimierung, Unternehmensentwicklung und Transformationsmanagement, unterstützt sie Versicherungen insbesondere bei Digitalisierungs- und Veränderungsprojekten.


#Digitalisierung #Versicherungen #Changemanagement #Veränderungsbereitschaft

Eine Zeitenwende – Hat die Entdigitalisierung begonnen?

Die zunehmende Digitalisierung eines Unternehmens ist nicht nur positiv. Dem wird wohl jeder zustimmen, der sich schon mal inmitten einer Bestandsmigration wiedergefunden hat.

Eine der schlimmsten Folgen der Digitalisierung für ein Unternehmen oder gar einen Staat ist aber die Cyberkriminalität. Bereits 2015 musste der deutsche Bundestag sein gesamtes Netzwerk erneuern lassen, nachdem Hackern dort eingedrungen waren. Um Gefahren wie dieser entgegenzuwirken, wagen die Behörden Singapurs einen drastischen Schritt: Sämtliche Computer ihrer Mitarbeiter sollen vom Internet getrennt werden. Die Kommunikation soll nur noch über ein Intranet laufen. Damit steht das Land nicht alleine da: Viele Hightech-Unternehmen, Rüstungskonzerne und Atomkraftwerke besitzen ein Intranet, das zumindest teilweise vom Internet getrennt ist.

Solche Firmen hüten hochsensible Informationen oder gelten als gesellschaftlich-kritische Institutionen. Würden sie angegriffen, hätte dies fatale Folgen – bis hin zum vollständigen Erliegen des täglichen Lebens. Man stelle sich nur einmal vor, der Strom in New York und Frankfurt fiele für Tage oder Wochen aus, weil die Steuerungssysteme gehackt worden wären. Knotenpunkte der Weltwirtschaft wären komplett handlungsunfähig.

So fern liegt der Schluss also nicht, einfach den „Stecker vom Internet“ zu ziehen und einen Schritt zurück in eine einfachere Welt zu gehen.

All dies steht im krassen Gegensatz zur allgegenwärtigen Digitalisierungsbewegung. Entsteht daraus eine Gegenbewegung?

Um dies zu beurteilen, muss man fragen, ob das Vorgehen überhaupt auf Versicherungskonzerne übertragbar ist. Ein kurzes Gedankenspiel kann zu einer Antwort führen:

Angenommen, eine Versicherung befürchtet vielfältige Hackerangriffe auf ihre IT. Die einzelnen Systeme sind durchweg miteinander verknüpft und an die Außenwelt, also das Internet angeschlossen. Im Inneren der Systeme schlummern die sensiblen Kundendaten in unterschiedlicher Ausprägung: vollständige Gesundheitsakten, Auskünfte über die finanzielle Lage, persönliche Daten und Bankverbindungen der Kunden – natürlich auch von wichtigen Staatsbediensteten. Zweifelsohne schützenswerte Daten.

Neben den Daten ist auch das Kerngeschäft einer Versicherung potenzieller Angriffspunkt für Cyberkriminalität. Die Auszahlungen der Versicherungsleistungen, für viele Kunden lebenswichtig, könnten böswillig auf andere Konten umgeleitet werden.

Plötzlich rückt die Idee, einfach den Stecker zu ziehen, spürbar näher.

Und doch: Unserer Meinung nach ist die Entdigitalisierung für Versicherungsunternehmen keine Lösung. Ohne E-Mails, E-Banking und ein Onlineportal ist das Versicherungsgeschäft heute kaum noch möglich. Dass dies ein Risiko birgt, sollte jedoch stets bedacht werden, wenn man über Digitalisierung redet.

Die Digitalisierung wirkt auch positiv auf die Sicherheit der Daten im Unternehmen: Eine kleine Zahl gut gewarteter und moderner Systeme lässt sich leichter gegen Eindringlinge abschotten als eine große Zahl von Altsystemen, die aus Softwarerelikten bestehen und Hackern die Arbeit erleichtern.

Eine weitere Möglichkeit, sich zumindest gegen die Verluste von Cyberattacken abzusichern, ist die Cyberversicherung. Solche Policen bieten Industrieversicherern und Anbietern neue Chancen und erfreuen sich steigender Beliebtheit. Auch wenn der Markt in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt: Ein Vergleich mit den USA zeigt großes Potenzial. Für uns ist die Entdigitalisierung daher keine Antwort, eher eine Überreaktion auf ein Risiko, dem man konstruktiv begegnen sollte.

Bis bald Ihre Gastautoren
Felix Fiedler und Ronny Kant

PS: Sollte Ihnen dieser Beitrag gefallen haben, dürfen Sie sich auch in Zukunft auf weitere Beiträge zum Thema CYBER freuen ;-)

 Über unseren Gastautoren:

Felix Fiedler ist Wirtschaftsmathematiker und arbeitet bei PPI im Bereich Aktuariat. Mit seinem fachlichem Wissen insbesondere zu Solvency II und seiner IT-Affinität, unterstützt er als Bindeglied zwischen Fachlichkeit und IT, Versicherer im Bereich Projekt- und Anwendungsmanagement.



Ronny Kant ist Junior Sales Manager im Bereich Versicherungen und ist nebenbei ein sehr kreativer wie auch innovativer Schreiberling. Er interessiert sich für zukünftige Entwicklungstendenzen der Versicherungsbranche und die daraus resultierenden Herausforderungen für Versicherungsunternehmen. Vielleicht erfreut er uns auch in Zukunft mit weiteren Impulsen.

#Versicherung #Digitalisierung #Entdigitalisierung #Cyberkriminalität #Cyberrisiken

Gastbeitrag: Changemanagement im Rahmen der Digitalisierung

Der Faktor Mensch als Erfolgskriterium in Veränderungsprozessen


Das Thema der Digitalisierung ist in unserer Arbeitswelt schon lange angekommen und ständig präsent. Versicherungsunternehmen wollen die Möglichkeiten der Digitalisierung voll ausschöpfen: transparente Prozesse, smarte Geschäftsmodelle, individualisierte Angebote, alle Informationen auf einen Blick – überall und jederzeit. Bereits heute hat eine Vielzahl der Versicherer das Zeitalter der Digitalisierung eingeläutet. Onlinevertrieb, Kundenservice im Chat, Schadenmeldung oder gar Selbstregulierung per App sind keine Seltenheiten. Und das Digitalisierungsrad dreht sich weiter: Vitality- und Telematiktechnologien ermöglichen individuelle und neue Preis- und Produktgestaltungen. Die Arbeitswelt wird schneller und automatisierter, dabei punktgenauer und individueller, ebenso transparenter und nachvollziehbarer. Die Erwartungen sind hoch und der kontinuierliche Wandel verändert mit enormer Geschwindigkeit unsere gewohnten Strukturen.


Aus psychologischer Sicht zeigt sich allerdings, dass nur die wenigsten bereit und kompetent genug sind, Veränderungen erfolgreich umzusetzen, ganz unabhängig davon, ob es sich um Vorstand, Führungskräfte, Projektleiter oder Mitarbeiter handelt. Es ist vielmehr ein Phänomen der Menschen, da es uns schwerfällt, Altes loszulassen, Neues zu akzeptieren und damit nachhaltig und erfolgreich umzugehen. Veränderungsbereitschaft, Veränderungskompetenz und eine offene Veränderungskultur sind ausschlaggebend dafür, dass das enorme Potenzial der Digitalisierung keine Zukunftsmusik bleibt. Initiatoren und Betroffene einer Veränderung müssen diese verstehen und akzeptieren, mitgestalten und tragen sowie letztlich leben und weiterentwickeln.

In dieser Gastreihe möchte ich einen neuen Blick auf das Thema der Digitalisierung werfen und die Menschen betrachten, die ihre Arbeitsweise, ihren Führungsstil oder auch das Verständnis ihres Unternehmens zukünftig ändern (müssen). Im Mittelpunkt stehen hierbei drei wesentliche Elemente, auf die ich in meinen folgenden Beiträgen eingehen möchte: Bereitschaft (Teil 1), Kompetenz (Teil 2) und Kultur (Teil 3).

Beste Grüße
Leonie Benndorf

Über unsere Gastautorin:

Leonie Benndorf ist Wirtschaftspsychologin und arbeitet bei PPI im Bereich Consulting Versicherungen.
Mit ihrem fachlichem Wissen zu Prozessoptimierung, Unternehmensentwicklung und Transformationsmanagement, unterstützt sie Versicherungen insbesondere bei Digitalisierungs- und Veränderungsprojekten.


#Digitalisierung #Versicherungen #Changemanagement

InsurTechs – Was steckt wirklich hinter dem Hype? (Teil 2/2)


Fortsetzung vom 14. Juli 2016...

In meinem letzten Beitrag habe ich mich vorerst mit diesen Fragen beschäftigt:
  • Welche Aufgaben übernehmen InsurTechs?
  • Welche Rolle nehmen InsurTechs gegenüber klassischen Versicherern ein?
  • Welche Produkte bieten InsurTechs an?

In diesem Beitrag werde ich verstärkt auf die Kollaborationsformen eingehen und abschließend ein Resümee ziehen.

Welche Kollaborationsformen zwischen InsurTech und Versicherung werden aktuell praktiziert?

Grundsätzlich konnte ich zwei Kollaborationsformen identifizieren. Die erste Kollaborationsform nutzen InsurTechs, die einen breiten Überblick über Versicherungsprodukte bieten. Charakteristisch ist hierbei die Zusammenarbeit eines InsurTechs mit einer großen Anzahl von Versicherern.
1. Kollaborationsform




Die zweite Kollaborationsform wird vornehmlich von InsurTechs verwendet, die in einer bestimmten Sparte tätig sind und Online-Vertragsabschlüsse anbieten. Für diese Form ist die Zusammenarbeit eines InsurTechs mit einem oder maximal zwei Versicherern charakteristisch.

2. Kollaborationsform

Wie verdienen die InsurTechs Geld?

Die Einnahmequellen der InsurTechs sind verhältnismäßig homogen: Vertragsabschlussprovisionen und Bestandssicherungsprovisionen sind die am häufigsten genannten Begriffe. Grundsätzlich versucht jedes InsurTech transparent darzulegen, wie sich die Einnahmequellen zusammensetzen, um die höchstmögliche Kundenzufriedenheit zu erreichen. Einige InsurTechs, z. B. friendsurance, geben Anteile der Provisionen an den Versicherten weiter.

Was sind die Kernherausforderungen für die InsurTechs?

Im Moment stehen die InsurTechs vor der Herausforderung, langfristig rentabel zu werden. Standen zu Beginn Investoren mit einem gewissen Startkapital zur Seite, wollen eben diese nun die erwartete Rendite einholen. Durch die hohe Anzahl sowohl von etablierten als auch von neuen Mitbewerbern gestaltet sich allerdings die langfristige Rentabilität schwierig. Erschwerend basieren einige Prozesse der InsurTechs auf vielen (teuren) manuellen Tätigkeiten wie der Erteilung der Maklervollmacht durch den Endkunden und das Einholen von Vertragsdaten der jeweiligen Kunden

Fazit: Auch InsurTechs kochen nur mit Wasser. Ich denke, das ist eine gute Zusammenfassung dieser Analyse. Echte Innovationen konnte ich unter den InsurTechs nicht identifizieren – vielmehr sind es kleinere Vereinfachungen sowie die Etablierung des digitalen Vermittlers. Ungewöhnlich sind in meinen Augen die stabilen Netzwerke, die das Grundgerüst der InsurTechs mit ihren Partnerunternehmen bilden. Dynamische Netzwerke, wie sie amazon Payments oder Uber geschaffen haben, sind unter den 24 analysierten Modellen gar nicht zu finden, obwohl doch gerade diese erfolgversprechend wären.

 Ihr Julian Schmidt

#Digitalisierung #Versicherungen #InsurTechs #Kollaborationsformen