Telematik in der Kfz-Versicherung (Teil 1)


Die Geschäftsmodelle der Versicherer werden sich großen Veränderungen unterziehen müssen, so die einhellige Meinung der Autoren. Doch wie äußert sich die Digitalisierung in unserem täglichen Leben? Welche Herausforderungen müssen Sie in Ihren Unternehmen meistern? Diese zweiteilige Blogserie soll Ihnen einen Teil der Digitalisierung greifbarer machen. Es geht um den Einsatz der Telematik in der Kfz-Versicherung.

Die Grundzüge der Telematik
Was ist Telematik? Um das zu verstehen, gehe ich erstmal einen Schritt zurück: Der Trend zum Aufzeichnen von Daten nimmt stetig zu. Wir lassen unser Leben vermessen, z. B. durch Fitness-Armbänder, Kalorienzähler und Sonnenbrandwarnsysteme. Oft vergessen wir, dass diese Daten nicht nur für uns persönlich, sondern auch für Versicherungen interessant sind. Mit mehr Daten lassen sich nämlich genauere Risikokalkulationen vornehmen.

Diesem Trend folgen auch die deutschen Kfz-Versicherer und bedienen sich der neuen Technik. Der Begriff Telematik setzt sich dabei aus den Technologien Telekommunikation und Informatik zusammen. Darunter versteht man eine Technologie zur Erfassung, Übermittlung und Verarbeitung von Verkehrs- und Fahrzeugdaten. Anhand der Daten über das Fahrverhalten wird für den Kunden ein individueller Beitrag berechnet. Das folgende Bild erklärt die Funktionsweise der Technologie:
Bildquelle: CHECK24 Vergleichsportal für Versicherungsprodukte


Wie reagieren die Versicherer auf die neue Technologie?
Den ersten Telematik-Tarif in Deutschland hat die S-Direktversicherung, eine Versicherungstochter der Sparkassen, angeboten. Jedoch wurde das Pilotprojekt nach einem Jahr wieder eingestellt, da die Kosten für die Erhebung und Verwertung der Daten höher waren als die Ersparnisse für die Versicherer.

Auch die vier größten Kfz-Versicherer in Deutschland, die Allianz, HUK Coburg, AXA und VHV bieten inzwischen eigene Telematik-Tarife an. Im Fokus stehen dabei besonders junge Kunden, da diese von den hohen prozentualen Rabatten am meisten sparen können und die für die Unternehmen eine interessante Zielgruppe darstellen. Jedoch stellt sich auch hier die Frage, ob es einen tragfähigen Business Case gibt oder ob es noch andere Beweggründe für die Entwicklung eines Telematik-Angebotes gibt.

Warum bieten die Versicherer die Tarife überhaupt an?
Wozu treiben die Versicherer ohne tragfähigen Business Case teure Projekte voran? Der Hauptgrund dürfte - neben medialer Aufmerksamkeit - in den Daten liegen, die durch die neuen Tarife erhoben werden.

Durch die gesammelten Daten ist es nicht nur möglich, eine Prämie zu ermitteln. Es wird möglich, die eigenen Kunden kennenzulernen. So lassen sich wertvolle Rückschlüsse für Werbe- und Vertriebsaktivitäten ziehen. Außerdem kann ein Gegengewicht in Sachen Big Data zu Global Playern wie Google, Amazon oder Facebook gebildet und dadurch der deutsche Versicherungsstandort gestärkt werden.

Wieder was gelernt: Nun haben Sie ein Gefühl dafür bekommen, was die Digitalisierung in der Kfz-Versicherung bedeutet. Im zweiten Teil erhalten Sie konkrete Handlungsempfehlungen, wie Sie die Digitalisierung des Kfz-Geschäfts in Ihrem Unternehmen erfolgreich meistern können.

Bis zum nächsten Mal,
Maximilian Bohlen

#Digitalisierung #Versicherungen #Telematik #Kfz-Versicherung



Maximilian Bohlen ist Bachelor der Betriebswirtschaft und angehender Wirtschaftsinformatiker. Bei PPI arbeitet er als Consultant im Bereich Versicherungen. Seine Stärke ist die Beratung und Umsetzung an der Schnittstelle zwischen versicherungsfachlichen Anforderungen und modernen IT-Systemen

Mal quergedacht: Emp-Art Life - Was war noch einmal Smart Home?! (Teil 1: Der Morgen danach)

"Was für eine Nacht. Es ist wieder spät geworden. Er schläft noch tief und fest. Schlafstufe1 - endet erst in 10 Minuten, obwohl der Wecker jetzt klingeln sollte. Na gut, gönnen wir ihm noch 11 Minuten – die A44 ist eh noch zu voll. Und dann habe ich noch ein paar Minuten, die Kaffeemaschine zu reinigen…"

Ein Traum: Wer sehnt sich nicht danach? Ein liebevoller und verständnisvoller Partner an seiner Seite.

Die Wahrheit: Es ist nicht Ihr Ehepartner, es ist Ofelia - Ihr Emp-Art-Life Managementsystem. Sie fragen sich jetzt, was das ist? So etwas wie Smart Home? Und wo zum T***el ist mein Ehepartner?!  Na gut, die letzte Frage können wir Ihnen leider nicht beantworten (#vermutlichwegdigitalisiert). Dafür wollen wir in diesem und zwei weiteren Beiträgen die ersten beiden Fragen beantworten.

06:09 Uhr – Ofelia das Emp-Art-Life Managementsystem hat bereits anhand des Schlaftrackers Ihrer Smartwatch erkannt, dass Sie eine durchaus „turbulente“ Nacht durchlebt haben und immer noch im Tiefschlaf sind. Ofelia erkennt die Diskrepanz zwischen den Weckeinstellungen des Smartphones (nerviger Alarmton um 06:10 Uhr) und Ihrem aktuellen Biorhythmus. Ofelia überprüft alle notwenigen Variablen, wie z.B. Ihren Kalender, die Kalender der Familienmitglieder, aktuelle Verkehrsmeldungen sowie Ihre morgendlichen Gewohnheiten und versucht Ihren Tag nach folgenden Gesichtspunkten zu optimieren:

•    Gesundheit
•    Qualitytime mit der Familie
•    berufliche Ambitionen
•    persönliche Ziele

Hierfür muss Ofelia nicht nur auf alle verfügbaren Devices und Programme im Haushalt zugreifen - das wäre ja nur Smart Home gepaart mit Alexa – sondern neben BigData-Auswertungen auch empathische Ableitungen treffen, selbst lernen und auf emotionaler Basis Entscheidungen treffen.

Für alle Formelfans – hier unsere Definition:
Emp-Art-Life Managementsystem = (Künstliche Intelligenz + Big Data + Smart Home)*Empathie

Darunter verstehen wir ein persönliches Assistenzsystem, das uns als Menschen kennt, schätzt, versteht und unterstützt. Ofelia geht natürlich noch über den morgendlichen Aufweckprozess hinaus und begleitet uns 24/7 und das 365 Tage/Jahr.

Ein durch Ofelia gemanagter Morgen sieht zukünftig wie folgt aus:
Sie stehen erst 06:20 Uhr auf, werden aufgrund Ihres aktuellen Befindens mit Mozarts Zauberflöte geweckt. Die gewonnenen 10 Minuten nutzt Ofelia, um ein koffeinhaltiges Heißgetränk vorzubereiten, nachdem der Vollautomat das Reinigungsprogramm beendet hat. Basierend auf dem Terminkalender (z. B. persönliche Einstellung gegenüber möglichen Meeting-Teilnehmern) und den Wettervorhersagen für heute, stellt Ihnen Ofelia eine Auswahl geeigneter Outfits zusammen. Es versteht sich von selbst, dass der vernetzte Kleiderschrank ihr die Informationen übermittelt, welche Kleidungsstücke derzeit verfügbar sind und welche sich im Reinigungsprozess befinden… So entspannt beginnt der Morgen nach vollständiger Digitalisierung.

Sie fragen sich jetzt vermutlich – was hat das alles mit Versicherungen zu tun?! Und wo stecken hier noch Versicherungsprodukte? Ganz ehrlich…. Das ist eine Frage, die wir keinem Versicherer abnehmen können oder wollen – was natürlich nicht ausschließt, den einen oder anderen Gedanken zu verlieren (siehe Fortsetzung am 16. April 2017 - Teil 2: Bis(s) zur Mittagspause).

Viele herzliche Grüße
Hannah und Ronny

PS: @GoogleInc. - Was sagt ihr zu einem Emp-Art-Life Managementsystem?

#Digitalisierung #Versicherungen #SmartHome #Emp-Art-Life #LifeManagement


Hannah Victoria Groß ist Expertin für Online- und Social-Media-Marketing bei der PPI AG. Sie übernimmt die Moderatorenrolle dieses Blogs und liefert regelmäßig Impulse für das Label "Mal quergedacht". Nebenbei spürt sie auch Autoren zum gastbloggen auf ;-)

Ronny Kant ist Junior Sales Manager im Bereich Versicherungen und ist nebenbei ein sehr kreativer wie auch innovativer Schreiberling. Er interessiert sich für zukünftige Entwicklungstendenzen der Versicherungsbranche und die daraus resultierenden Herausforderungen für Versicherungsunternehmen. Vielleicht erfreut er uns auch in Zukunft mit weiteren Impulsen.

Top Wirtschaftsrisiko Cyber: Und wo bleibt der Versicherungsschutz?

In unserem letzten Blogbeitrag Wirtschaftsrisiko Cyber und der Versicherungsauftrag sind wir auf die Gefahrenlage eingegangen, in der sich Unternehmen im Allgemeinen und im Besonderen KMU`s aufgrund von Cyberrisiken befinden. Nun wollen wir schauen, was der Markt aktuell als Schutz für die „Burgen“ anbietet und in welcher Art und Weise dieser Schutz angeboten wird.


Cyberschutz wird aktuell nur von wenigen Versicherern angeboten (<20 in Deutschland). Das erscheint zunächst marktgerecht, da nur 10 % der Cyberversicherungen in Anspruch genommen werden. Den Prognosen nach werden Cyberversicherungen in Zukunft vermehrt nachgefragt. Die Anzahl der Anbieter von Cyberversicherungen wird wachsen. Auch Makler entwickeln spezifische Lösungen und Beratungsangebote. Das Cyber-Prämienvolumen von aktuell 30 Millionen Euro (2016) in Deutschland soll bis 2021 auf 300 Millionen Euro steigen. Das Versicherungsgeschäft ist aus ökonomischer Sicht von Netzwerkeffekten geprägt. Für Versicherer scheint sich immer noch die Chance zu bieten, sich als „First mover“ zu platzieren.
Aber wieso bieten aktuell nur wenige Versicherer Cyber-Policen an? Und ist es überhaupt möglich, das komplexe Cyberrisiko adäquat zu bewerten, um Unternehmen einen optimalen Schutz zu bieten?




Starten wir bei der grundlegenden Frage, was eine Cyber-Police als Schutz aktuell beinhaltet. Hier können zwei Modelle unterschieden werden:
Bestehende Produkte (z. B. Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung) werden durch Cybergefahren ergänzt.
Eigens entwickelte Cyberversicherungsprodukte decken die Gefahren und Kosten.

Die Grafik zeigt, dass sich eine Stand-alone-Cyber-Police üblicherweise aus 2 Bausteinen zusammensetzt: Fremdschäden und Eigenschäden. Die Abdeckung dieser Schäden ist grundsätzlich für die Versicherer kein Problem. Die Haftungsstrecken werden jedoch meist noch  stark limitiert.
Der Grund für die starke Limitierung und die noch geringe Zahl von Versicherern, die aktuell Cyber-Policen anbieten, liegt in dem bisher verwendeten Kapazitäts-/Kostenansatz und  der damit verbundenen speziellen Bewertungsherausforderung: Eine kaum vorhandene Datenbasis (Schadendaten etc.) sowie mangelnde Erfahrung im Bereich IT-Security verhindern es, verlässliche Prognosen zu treffen.

Die Informationssammlung für eine Cyberdeckung erfolgt aktuell im Wesentlichen anhand von zwei Vorgehensweisen:
  1. Audits, durchgeführt von IT-Security-Spezialisten 
  2. Risikofragebögen
 
Die Risikofragebögen der Versicherer grenzen in der Regel das Business (Geschäftsfeld, Umsatz, Land, Datentypen etc.) stark ein. Weichen Unternehmen von diesem festgelegten Standard ab, fallen sie komplett aus dem einfachen Fragebogenmodell raus. Für sie werden mindestens Einzelfallprüfungen notwendig, bis hin zu kompletten Ausschlüssen. Insbesondere KMU`s stecken nun in einem Dilemma: Eine gründlichere, notwendige und somit aufwändigere Prüfung der IT-Security (Audits) steht derzeit für Kunden und Versicherer im Konflikt zu den bisherigen Prämien.
Das Angebot an Cyberdeckungen ist also grundsätzlich vorhanden. Es ist jedoch zu bezweifeln, dass das Angebot zur Nachfrage passt.

Für Versicherer besteht die Herausforderung, durch passende Angebote in der Wachstumsphase eine notwendige kritische Masse zu erreichen. Der Erfolgsfaktor ist hierbei der Einsatz von effizienten und effektiven Verfahren zur Risikoerhebung und Risikobewertung.
Um hier ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, beleuchten wir in unserem nächsten Blogbeitrag die Stärken und Schwächen der Risikoerhebung mit Hilfe von Risikofragebögen.

Viele Grüße
Jonas Schwade


 
Jonas Schwade ist Diplom-Kaufmann und arbeitet bei PPI als Consultant im Bereich Versicherungen. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich der Kommunalversicherungen sowie in allen gesundheitlich relevanten Fragen rund um das Thema Versicherung.