Integrativer End-to-End-Prozess: von der Produktidee zurProdukteinführung (Teil 3)

Als ich in der Versicherungsbranche anfing, sah das Bild für Time-to-Market recht einfach aus: Der Vertrieb hatte eine Idee, Produktwissende prüften diese auf grundsätzliche Machbarkeit, dann wurde das Produkt verkauft. Der Betrieb bekam einen mehr oder weniger strukturierten neuen (Papier-)Antrag, wenn die Formularabteilung überhaupt informiert wurde, und nach kurzer Verwunderung auch die Möglichkeit, den Antrag entsprechend zu verarbeiten.
        
Die ersten Stolpersteine waren die elektronischen Formulare, ob selbstrechnende PDF-Anträge, Internet-Seiten oder gar Verkaufssoftware. Nun mussten auch Versicherungsunwissende (die mit den dicken Brillen im Keller, so wie ich) erklärt bekommen, was denn da geändert werden soll. Und dann kamen noch VVG und andere regulatorische Spielverderber und nahmen dem Vertrieb und der Produktentwicklung jegliche Flexibilität.

Heute sind je nach Sichtweise bis zu neun fachliche Aspekte in der Produktentwicklung zu berücksichtigen.

Dadurch steigt logischerweise die Anzahl der beteiligten Personen, die wiederum eigene Sichten mitbringen und dafür eigene Sprachen verwenden. Garniert wird das Ganze mit heterogenen Systemen, in denen das spezielle Produktwissen gehortet wird. So wird aus der einfach formulierten Anforderung einer neuen Tarifgeneration ein nicht enden wollendes Spießrutenlaufen durch das Haus, das alle verrückt macht.

Wenn im Kontext der Digitalisierung nun von SmartContracts und Short-Ticket-Insurance gesprochen wird, kann man sich vorstellen, was das bei manchen auslöst. Integrativ oder gar End-to-End geht anders. Was also muss geschehen, um auch den Prozess der Produktentwicklung auf die Zukunft vorzubereiten?

Am Anfang steht wie immer die Bereitschaft, die Aufgabe als komplexes System zu akzeptieren, in dem Menschen, Informationen und Technik zusammengebracht werden müssen. Nur so ist es möglich, ein konsistentes Bild der Anforderungen zu bekommen und Schwachstellen in der Prozesskette zu identifizieren. Das hat wenig mit Digitalisierung oder gar Industrialisierung zu tun und ist meiner Meinung nach unabdingbar, um viele Probleme in laufenden Transformationsprojekten zu lösen. Aber ich will nicht abschweifen.

Wenn wir das akzeptieren, gilt es, eine gemeinsame Verständnisebene zu finden. Nicht ganz einfach bei so vielen Beteiligten, aber leider essenziell für alles Weitere. Naturgemäß ist diese Ebene stark konzeptionell, soll heißen: weniger Details, dafür mehr Zusammenhänge und Definitionen. Ein guter Kompromiss einer logischen Sicht ist meiner Meinung nach das Property&Casualty-Modell der Object Management Group (OMG). Ach, und bitte nicht das Wort „Meta“ verwenden. Das scheint immer mit „nicht echt“ oder „wissenschaftlich“ gleichgesetzt zu werden.

Damit haben wir die Basis für eine intelligente Integration, in der sich alle wiederfinden.

Auf dieser Grundlage lassen sich zielgerichtet weitere Verbesserungen angehen. Insbesondere die Medien- und Systembrüche sollten als erstes aufgelöst werden. Und vielleicht ist dann der große Traum eines zentralen Produktservers nicht mehr ganz so fern. Wie der aussehen könnte, dazu mehr im nächsten Artikel.




Viele Grüße


#Digitalisierung #Versicherungen #Produktmanagement


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