Best of Digitalisierungs-Blog 2016 – Des Besuchers Top 3 Lieblingsbeiträge

Ganze 52 Beiträge haben wir 2016 auf unserem „Digi-Blog für Versicherungen“ (wie wir ihn liebevoll nennen) veröffentlicht. Jeden Donnerstag taufrisch und ganz authentisch mit jedem eigenen Tastendruck jedes Autors. Und darauf sind wir schon ein kleines bisschen stolz. Im letzten Monat gab es sogar über 6000 Aufrufe. #unglaublich #wundervoll #nochmal

Zum Jahresabschluss haben wir uns für ein Best-of Top 3 Ihrer Lieblingsbeiträge entschieden. Vielleicht auch, weil wir alle mal Urlaub benötigen oder? ;-) An dieser Stelle sei auch unseren Gastbloggern - sowohl externen wie Herrn Bader (Finanzvorstand der GVV-Versicherungen) als auch den internen Gastbloggern aus unterschiedlichen Themenbereichen der PPI AG - gedankt, die unsere Autoren super dynamisch unterstützt haben. #wirwollenmehr #werdenauchSiejetztGastblogger

Das Ranking der Top 3 basiert auf einem hochkomplexen Algorithmus, in den unter anderem Seitenaufrufe und Social Signals eingeflossen sind – das Ganze multipliziert mit der Annahme, dass die Digitalisierung auch nächstes Jahr noch anhält ;-) #füralleMatheFanatiker #fairistfair


Genug der vielen Worte, los gehts:

Platz 1: War of Talents - Der Kampf um Talente



In den martialischen „War of Talents“ waren die meisten Führungskräfte schon aktiv verwickelt. Wenn plötzlich der Bewerber wissen will, was man denn so zu bieten hätte. Die Fragen „Warum sollten wir uns für Sie entscheiden?“ oder „Was sind Ihre Stärken und Schwächen?“ kommen immer häufiger von der anderen Seite. Heute sehen sich Arbeitgeber sehr selbstbewussten Arbeitnehmern gegenüber, … (von Blogautor Robert Schnittger)



Platz 2: Digitalisierung im Vertrieb (Teil 3)

(An)Forderungen an den Verkäufer im digitalen Zeitalter

Die Kundenanforderungen legen an Veränderung und Dynamik ständig zu. Das ist sicher richtig, ich denke aber nicht, dass die Kundenbedürfnisse jemals statisch oder vorhersehbar waren. Bisher gab es allerdings eine klare Strategie, diesen Bedürfnissen und Anforderungen zu begegnen: den Kundenbetreuer vor Ort. Informationsquelle und Verkäufer in einem, war er lange Zeit der einzige Zugang zum Kunden und damit für jedes Versicherungsunternehmen unentbehrlich. Heute eröffnet die Digitalisierung völlig neue Wege… (von Blogautor Gerrit Götze)


Platz 3: Eine Zeitenwende – Hat die Entdigitalisierung begonnen?




Die zunehmende Digitalisierung eines Unternehmens ist nicht nur positiv. Dem wird wohl jeder zustimmen, der sich schon mal inmitten einer Bestandsmigration wiedergefunden hat. Eine der schlimmsten Folgen der Digitalisierung für ein Unternehmen oder gar einen Staat ist aber die Cyberkriminalität. Bereits 2015 musste der deutsche Bundestag sein gesamtes Netzwerk erneuern lassen, nachdem Hackern dort… (von "Mal quergedacht"-Autor Ronny Kant und Blogautor Felix Fiedler)


In diesem Zusammenhang möchte ich auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen darauf hinweisen, dass wir uns im neuen Jahr verstärkt mit dem Thema Cyber Security beschäftigen werden, denn die zunehmende Digitalisierung bietet Cyberangreifern fast täglich neue Angriffspunkte.
Zunächst aber wünschen mein Digi-Team und ich Ihnen einen guten und sicheren Rutsch ins neue Jahr. Wir starten am 05.01. mit dem ersten Post des Jahres 2017.

Herzliche Grüße
Hannah




Digital MindBolt 2016

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen und Weihnachten steht vor der Tür. Wir haben dieses Jahr wieder viel erlebt - Ereignisse und neue Erfahrungen haben unseren Horizont erweitert. Aus der Fiktion der Digitalisierung ist, zumindest in kleinen Teilen, erlebbare Realität geworden. Auf dieser Basis haben wir (Robert und Gerrit) unsere Köpfe zusammengesteckt und versucht, eine aktuelle Antwort auf drei Kernfragen zu formulieren.


Durch die Nutzung welcher wesentlichen Chancen können Versicherer von der Digitalisierung profitieren?

1) Digitalisierung als Treiber grundlegender organisatorischer Veränderungen
Die meisten Strukturen, auf die wir heute in Versicherungskonzernen treffen, haben sich über viele Jahrzehnte bewährt. Das Bewährte setzt den Maßstab für das Neue, oft aber leider auch den Gegenpol für notwendige Veränderungen und Basisinnovationen. Der Druck für grundlegende Veränderung muss groß genug sein, um Wirkung entfalten zu können - durch die gesamte Digitalisierung ist dieser Druck definitiv gegeben.

2) Startups als Innovationstreiber und Wegbereiter
Eine schier unglaubliche Masse an InsurTechs und "freien" Startups bringt die Versicherungsbranche in Bewegung. Nicht alles ist komplett neu oder innovativ, vieles ist aber anders und vor allem kreativ gelöst.
Wir sind uns sicher, dass die wenigsten dieser Startups durchhalten und auf Dauer am Markt überleben werden. Dennoch haben sie einen positiven Effekt auf die gesamte Branche: sie bauen durch neue sowie kreative Denkweisen und Modelle Druck auf und helfen so den Unternehmen dabei, außerhalb der 9 Punkte zu denken, wodurch Innovationen geschaffen werden können.

3) Digitalisierung als Kulturwandel
Nicht nur Prozesse und Strukturen sind im Wandel, auch Corporate Culture als messbarer und emotionaler Unternehmenswert wird immer wichtiger.
In der Vergangenheit und auch heute noch gelten Versicherungen eher als konservativ – die jüngere Generation sucht jedoch nach modernen Arbeitgebern mit entsprechender Unternehmenskultur. Wenn Versicherungen es schaffen, im Zuge der Digitalisierung auch den kulturellen Wandel mitzunehmen, werden sie zukünftig als Arbeitgeber attraktiver wahrgenommen werden.


Verborgene Risiken der Digitalisierung: Worauf sollten Versicherer verschärft achten?


1) Undurchlässige Strukturen
Scheinbar unüberwindbare Mauern und das Beharren auf alte Denkmuster stellen insbesondere in großen Strukturen die Stolpersteine dar. Dies hat schon in anderen Branchen zu bösen Überraschungen geführt, wenn die Unterstützung aus der obersten Führungsebene fehlte.

2) Oberflächliche Umsetzung
Reine Effizienz-Innovation und Digitalisierungsfassade ohne Fundament führt zu schönen Bildern, ist aber leider nicht nachhaltig. Denn ohne digitale Strategie wird lediglich alter Wein in neuen Schläuchen verkauft. Um die Digitalisierung nachhaltig im Unternehmen integrieren zu können, muss eine Strategie entwickelt und umgesetzt werden.
Digitalisierung ist eben kein hübsches Bild, sondern eine Einstellungsfrage!

3) Fehlendes Changemanagement
Veränderung geht immer einher mit den Menschen, der Organisation und der Führungskultur. Deshalb müssen die Mitarbeiter in den Veränderungsprozess einbezogen werden, um sie mit zu erleben, zu akzeptieren und schlussendlich zu adaptieren. Ohne aktive Steuerung und Begleitung der Veränderung ist ein nachhaltiger Erfolg mehr als fraglich. Das Thema Veränderungsmanagement sollte definitiv Beachtung finden.

Die für uns persönlich faszinierendsten Entwicklungen und Trends?
Sensorik und Cyber-physische Systeme im Zusammenspiel mit Big Data sind unserer Meinung nach die stärksten und spannendsten Entwicklungen der Digitalisierung. Allerdings auch die mit den größten Herausforderungen.
Denn jeder noch so moderne Konsument wird in naher oder etwas fernerer Zukunft das Bedürfnis haben, dass mit seinen Daten ausschließlich in seinem Interesse gehandelt wird. Das Thema Datenschutz wird dabei eine immer größere Rolle spielen.

Zusätzlich zum Versuch, die vorangegangenen drei Kernfragen ausführlich zu beantworten, wurden wir mit 5 Aussagen zur Digitalisierung konfrontiert. Was wir darüber denken?

Digitalisierung in den Versicherungsunternehmen ...
  • … ist Fluch und Segen zugleich.
    Wir sehen in der Digitalisierung eher einen Segen als einen Fluch für die Versicherungsbranche, auch wenn durch die vorhandenen Strukturen für die Veränderung ein hartes Stück Arbeit auf die Unternehmen zukommt.
  • … erzeugt wieder stärkeren Bedarf nach Strategieentwicklung.
    Diese Aussage ist schwierig zu bewerten, denn Strategie wird immer schnell gefordert. Leider wissen aber die wenigsten wirklich, wie eine gute Strategie aussieht und was sie ausmacht, geschweige denn, wie diese in Geschäftsmodell, Zielen und Betrieb umzusetzen ist.
  • … ist viel Bestandsrenovierung aber (noch) wenig Innovation.
    Dies ist richtig und notwendig, auch wenn es nicht ausschließlich hintereinander stattfinden muss. Fakt ist aber, dass es ohne Fundament zur Ausführung schwer wird, weitere Veränderungen umzusetzen.
  • … wird durch Regulatorik ausgebremst (CoC, IDD, Solvency).
    Das ist in der Tat ein Dilemma unserer Gesellschaft. Denn eigentlich wünschen wir uns doch alle weniger Komplexität in unserem Leben. Leider ist es aber der Einzelne, der das System umgeht und damit unsere Regulierung in Gang setzt. Regulatorik und Innovation scheinen in diesem Zusammenspiel für viele fast unmöglich – ohne Regulierung funktioniert es aber auch nicht.
  • … erfordert mehr denn neue Organisations- und Führungsmodelle.
    Ob direkt neue Organisationsformen notwendig sind, mögen wir nicht beurteilen. Was aber feststeht ist, dass eine neue Führungskultur sicher ein entscheidender Faktor für die Zukunft sein wird.

Mit diesen Gedanken wollen wir Sie ins Jahresende entlassen und wünschen Ihnen frohe Feiertage
Robert Schnittger und Gerrit Götze

#Digitalisierung #Versicherungen #Chancen #Risiken #Trends

Interview mit dem Finanzvorstand der GVV-Versicherungen zum Thema Digitalisierung

Digitalisierung ist ebenfalls ein relevantes Thema bei den GVV-Versicherungen, wie bereits im Preview vom 01.12.2016 angekündigt, folgt nun das Exklusivinterview mit Herrn Bader dem Finanzvorstand der GVV.


PPI AG: Sehr geehrter Herr Bader, Sie sind seit dem 1. Juli 2016 neuer Finanzvorstand der GVV-Kommunalversicherung VVaG. Wie bewerten Sie generell das Thema Digitalisierung im Versicherungswesen?

Herr Bader (GVV-Versicherungen): Das Thema Digitalisierung hat eine hohe strategische Bedeutung für die Versicherungswirtschaft insgesamt und daher ebenso für die GVV.  Hierbei umfasst der Begriff der Digitalisierung aus meiner Sicht mindestens zwei  Dimensionen:
Zum einen beschreibt sie das  Ziel, eine hohe Effizienz und Effektivität in den betrieblichen Abläufen über Prozessoptimierung und  Automatisierung zu erreichen. Diese Seite der Digitalisierung steht in der Versicherungswirtschaft seit längerem im Fokus. Zum anderen bedeutet Digitalisierung eine tiefgreifende Veränderung bisheriger Geschäftsmodelle in Folge technologischer Entwicklungen mit deutlich verändertem Kundenverhalten und Kundenerwartungen. Sie hat Auswirkungen auf den Wettbewerb, die Kommunikation mit den Kunden, die Produkte und die Gestaltung innerbetrieblicher Prozesse. Insurtechs haben in diesem Bereich zu einem Innovationsschub beigetragen. Hier stehen wir eher noch am Anfang der Entwicklung.

PPI AG: Wie haben Sie die GVV hinsichtlich ihrer bisherigen Digitalisierungsstrategie wahrgenommen?

Herr Bader (GVV-Versicherungen): Bisheriger Schwerpunkt bei der GVV war die eben beschriebene erste Dimension, das heißt die Optimierung  von Prozessen und der Abbau manueller Schnittstellen. Wir werden weiter an diesem Thema arbeiten, da wir noch Optimierungspotenzial, etwa im Hinblick auf stärkere Standardisierung und Nutzung neuer Technologien sehen. Beispiele sind die Optimierung von Kundenschnittstellen,  der Ausbau der Dunkelverarbeitung  und ein  stärkerer Einsatz  standardisierter  Softwarelösungen. Mit der Entwicklung einer ganzheitlichen Digitalisierungsstrategie haben wir begonnen, stehen jedoch wie andere noch am Beginn unserer Reise.

PPI AG: Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung, die die Digitalisierung mit sich bringt?

Herr Bader (GVV-Versicherungen): Ganz wesentlich aus meiner Sicht sind ein klares Zielbild und eine konsequente Abstimmung der Digitalisierungsstrategie mit der Geschäftsstrategie. Da die Investitionskosten hoch sind, gilt es zwischen dem technisch Möglichen und dem wirtschaftlich Sinnvollen abzuwägen: Man muss nicht jedem Trend und jeder Idee folgen. Wesentliche Herausforderung ist ohne Zweifel das Change-Management. Für eine erfolgreiche Umsetzung ist es enorm wichtig, Bewusstsein für  Veränderungsnotwendigkeiten zu schaffen, um die Mitarbeiter zu erreichen und ihr Engagement zu gewinnen.

PPI AG: Gibt es Ihrer Meinung nach Besonderheiten bei einer Kommunalversicherung? Wie sehen Sie hier die Entwicklung?

Herr Bader (GVV-Versicherungen): Die Versicherung von Kommunen ist ein komplexes Produkt, das ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse unserer Kunden und damit Kundennähe und eine ausgewiesene Expertise erfordert. Diese bringen wir als Spezialversicherer in besonderer Weise mit und sind entsprechend gut positioniert. Dennoch müssen wir uns für zukünftige Herausforderungen rüsten. Dazu zählen die Weiterentwicklung unserer Produkte und effektive, neue Technologien für Kommunikation, Produktentwicklung etc., um auch in Zukunft preisgünstige und passgenaue Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können.

PPI AG: Gibt es Besonderheiten bei der GVV hinsichtlich Kundengewinnung, Marketing? Ist Social-Media ein wichtiges Thema?

Herr Bader (GVV-Versicherungen): Das Kommunalgeschäft ist wie beschrieben speziell, die Risiken sind komplex und es ist entsprechendes Know-how  erforderlich. Daher existiert eine starke direkte und persönliche Verbindung zu den Kunden. Vor diesem Hintergrund hat die digitale Kommunikation in der Vergangenheit eine eingeschränkte Rolle gespielt.  Im Privatkundengeschäft gibt es seit längerem eine andere Entwicklung. Hier haben sich Direktversicherer mit Online-Vertrieb einen stabilen Marktanteil gesichert. Der Austausch mit dem Kunden findet zunehmend  auch über soziale Kanäle statt. Die Bedeutung von Social Media hat durchaus zugenommen, auch wenn man die Bedeutung heute nicht überbewerten sollte.


PPI AG: Wie beurteilen Sie für die Zukunft das Risiko von Cyber-Attacken? Sind Sie dort Ihrer Meinung nach schon gut aufgestellt oder gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten?

Herr Bader (GVV-Versicherungen): IT-Sicherheit ist ohne Zweifel ein wesentliches Thema und Cyber-Risiken haben deutlich an Bedeutung gewonnen und werden vermutlich auch in Zukunft zunehmen. Gerade als Versicherer sind wir verpflichtet, diesem Risiko zum Schutz der Kundeninformationen entgegenzuwirken. Auch wenn wir als GVV überzeugt sind, gut aufgestellt zu sein, werden wir weitere Investitionen vornehmen und unsere Systeme regelmäßig testen.

PPI AG: Wir haben eine adaptive Roadmap als Erfolgsfaktor mit dem Umgang der Digitalisierung erstellt, indem verschiedene Themenbereiche in zeitliche Relevanz (Status quo, in Planung, in ferner Zukunft) untergliedert werden. In ferner Zukunft wird das Thema Big Data/BI auf Versicherungen zukommen. Machen Sie sich heute schon Gedanken in diese Richtung? Oder was ist für Sie aktuell am notwendigsten?

Herr Bader (GVV-Versicherungen): Big Data ist ein wichtiges Thema für die Versicherungswirtschaft generell. Auch wenn es sich heute noch eher in der Entwicklung befindet, werden bereits erste Strategien entwickelt und Projekte umgesetzt, die wir aufmerksam verfolgen. Beispiele sind die Unterstützung des Underwritings und des Schadenmanagements.

PPI AG: Schon heute sind Apps ein wichtiges Marketing-, Kundenbindungs- und Absatzmedium bei vielen Unternehmen. Die GVV hat noch keine eigene App. Ist die Idee, eine App von der GVV auf den Markt zu bringen, präsent oder nehmen Sie davon Abstand und wenn ja, wieso?

Herr Bader (GVV-Versicherungen): Es ist richtig, dass die GVV derzeit noch keine App nutzt. Im kommunalen Bereich steht bisher, wie bereits skizziert, der persönliche Kundenkontakt im  Vordergrund. Wir verfügen jedoch seit längerem über eine digitale Kundenschnittstelle, über die  Kundenanfragen, Schadenmeldungen  etc. übermittelt werden. Inwiefern Apps in unserem Geschäft zukünftig eine nützliche Rolle spielen können, analysieren wir derzeit.

Wir möchten uns an dieser Stelle recht herzlich bei Herrn Bader bedanken,  dass er sich die Zeit genommen hat, die Innensicht der GVV auf das Thema Digitalisierung darzustellen.

Beste Grüße
Jonas Schwade



Jonas Schwade ist Diplom-Kaufmann und arbeitet bei PPI als Consultant im Bereich Versicherungen. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich der Kommunalversicherungen sowie in allen gesundheitlich relevanten Fragen rund um das Thema Versicherung.



#Digitalisierung #Versicherungen #GVV-Versicherungen #GVV Privat #GVV-Kommunal #GVV #Interview

Einfach mal auf das „Schwarze Pferd“ setzen – Projekte in der Digitalisierung richtig initiieren

Der Begriff der Digitalisierung befindet sich im Wandel – stand er vor wenigen Monaten noch für die neue Kultur „Immer, Überall, Digital“, entwickelt sich die Digitalisierung mehr und mehr zu einem Schreckgespenst für die deutsche Versicherungsbranche. Viele Versicherer stehen vor der Herausforderung, neben dem umfangreichen Bestandsgeschäft und dem größer werdenden Kostendruck neue und innovative Ideen voranzutreiben und umzusetzen. Wie soll das eigentlich gehen?

Meine Antwort ist: Einfach mal auf das „Schwarze Pferd“ setzen. Das „Schwarze Pferd“ oder das „Black Horse“ ist ein Begriff aus dem Design-Thinking-Prozess und steht im Allgemeinen für eine unrealistische Lösung. Typischerweise werden im Rahmen einer Projektinitiierung realistische Lösungsmöglichkeiten für die Weiterentwicklung von Fach- und IT-Systemen skizziert. Auf dieser Basis werden Business Cases erstellt und Projektanträge geschrieben. Immer häufiger erlebe ich aber, dass die Mitarbeiter bereits vor Projektstart wissen, dass das Projekt die eigentlichen Probleme gar nicht löst, sondern nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein ist“.

Ich bin der Meinung, dass vor der Projektinitiierung viel stärker auf das eigentliche Problem aus Kundeneinsicht eingegangen werden muss. Was hilft beispielsweise die Einführung eines vollautomatisierten Callcenters, wenn die Kunden viele Fragen haben? Ein vollautomatisiertes Callcenter reduziert zwar die Kosten des Versicherers, aber löst es wirklich das Problem? Könnte das Problem nicht auch sein, dass der Kunde die Produkte nicht richtig versteht und verunsichert ist? Könnte die Lösung dementsprechend nicht sein, Produkte einfacher zu präsentieren und die Vertragsbedingungen einfacher und transparenter zu gestalten? In diesem Fall könnte ein Versicherer die eigenen Kunden befähigen, die notwendigen Informationen selbst zu finden und nur im Callcenter anzurufen, wenn sie wirklich sehr spezielle Fragen haben. Dies würde neben einer Kostenreduktion auch zu einer höheren Kundenzufriedenheit führen.

Mit dem Ansatz des „Black Horse“ aus dem Design Thinking werden genau solche Lösungen in Betracht gezogen, auch wenn sie nicht direkt auf der Hand liegen oder gar nicht als Lösungsmöglichkeit in Betracht gezogen werden würden. Oftmals werden solche neuartigen Ideen und Vorschläge kontrovers innerhalb der Organisation diskutiert. Aber ganz ehrlich, was kann denn passieren? Mit Hilfe von sogenannten Reframing-Techniken können Lösungen erarbeitet werden, die weniger offensichtlich sind und somit auch ein höheres Konfliktpotenzial besitzen. Doch gerade diese Spannungen helfen dabei, neue Perspektiven einzunehmen und zusätzlich Lösungsansätze vor der Projektinitiierung zu testen.
Die Lösungsansätze können beispielsweise kostengünstig als Papierprototyp erstellt werden. Und wenn SIE einen wirklich neuen und innovativen Lösungsansatz generieren und zur Projektreife führen – so habe ich es schon mehrfach erlebt – werden SIE als eine Schlüsselressource für das Thema Digitalisierung wahrgenommen. Es gilt also: An die Arbeit! Helfen Sie Ihrem Unternehmen in der Digitalisierung auf Kurs zu bleiben!

Ihr Julian Schmidt

#Digitalisierung #Versicherungen #Design-Thinking #Black Horse #Schwarzes Pferd #Design-Thinking-Prozess #Reframing-Techniken

Preview: Interview mit dem Finanzvorstand der GVV-Versicherungen zum Thema Digitalisierung

In vielen vorangegangenen Blogbeiträgen wurde über den zunehmenden Digitalisierungsdruck auf die Versicherungswirtschaft berichtet. Doch was denken eigentlich die Versicherungsunternehmen selbst über dieses Thema?

Sehen sie es auch als ein Handlungsfeld, das zukünftig immer wichtiger wird? Oder gehen sie die Sache eher entspannt an, getreu nach dem Motto: „Abwarten und Tee trinken“?

Um diese „Innensicht“ kennenzulernen, konnten wir den Finanzvorstand der GVV-Versicherungen für ein Interview gewinnen. Da die GVV insbesondere auf die kommunalen Risiken spezialisiert ist, ist insbesondere von Interesse, welche Bedeutung die Digitalisierung  auf ihr Geschäftsfeld hat, da sie sich als Kommunalversicherung in ihrer Geschäftsausrichtung von anderen Versicherungen unterscheidet.

In diesem Blogbeitrag stellen wir Herrn Bader, Finanzvorstand der GVV-Versicherungen, kurz vor.

Herr Bader studierte Volks- und Betriebswirtschaft an den Universitäten von Köln und Bonn. Seine berufliche Karriere startete er bei der Gen Re, für die er in verschiedenen Managementfunktionen und langjährig als CFO tätig war, bevor er in die Unternehmensberatung Baker Tilly Roelfs eintrat. Seit Juli 2016 ist er Finanzvorstand der GVV-Versicherungen. Wir freuen uns, dass Herr Bader seine Erfahrungen und Perspektiven im Versicherungsbereich mit uns teilt.

Aber wer ist eigentlich die GVV und was sind die Besonderheiten?

Die GVV-Versicherungen bestehen aus der GVV-Kommunalversicherung VVaG und der GVV-Privatversicherung AG. GVV-Kommunal versichert insbesondere Kommunen, kommunale Unternehmen und Sparkassen, während GVV-Privat das Privatkundengeschäft betreibt. Hauptsitz des Unternehmens mit rund 330 Mitarbeitern ist Köln. Das Prämienvolumen betrug in 2015 rd. 210 Mio. EUR, wovon rd. 160 Mio. EUR auf GVV-Kommunal und rd. 50 Mio. EUR auf GVV-Privat entfielen.

GVV-Kommunal zählt derzeit rd. 7.100 Mitglieder (Städte und Gemeinden, Ämter, Landkreise, Sparkassen und sonstige rechtlich selbstständige kommunale Einrichtungen). Die Besonderheit von GVV-Kommunal ist, dass das Unternehmen als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit eine sehr enge Bindung und Geschäftsbeziehung zu seinen Kunden hat. Die Versicherungsnehmer sind zugleich Mitglieder mit Sitz und Stimme in der Mitgliederversammlung und haben damit Einfluss auf Zielsetzungen und die Entwicklung des Unternehmens. Auf dieser Basis hat die Gesellschaft ein tiefes Verständnis für den speziellen Versicherungsbedarf entwickelt, das sie in die Lage versetzt, individuelle, passgenaue Lösungen für ihre Kunden anzubieten.

Die GVV-Privat versichert bundesweit Privatkunden in allen Zweigen der Schaden/ Unfallversicherung mit Ausnahme der Rechtsschutzversicherung.

Wir freuen uns auf das Interview mit Herrn Bader. Lesen Sie den ersten Teil des Interviews zu "Digitalisierung bei der GVV" am 15.12.2016 exklusiv auf diesem Blog!


Beste Grüße und bis in 2 Wochen
Jonas Schwade


Jonas Schwade ist Diplom-Kaufmann und arbeitet bei PPI als Consultant im Bereich Versicherungen. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich der Kommunalversicherungen sowie in allen gesundheitlich relevanten Fragen rund um das Thema Versicherung.


#Digitalisierung #Versicherungen #GVV-Versicherungen #GVV Privat #GVV-Kommunal #GVV #Interview

SchadenManagement: Ja macht denn die Digitalisierung vor nichts Halt?

Eindrücke vom 17. MCC-Kongress „Innovatives SchadenManagement 2016
Definitionen, Einträge aus Wikipedia oder Erklärvideos zur Digitalisierung sind nicht mehr nötig – dieser globale Gesellschaftstrend ist auch in der deutschen, traditionellen Versicherungsbranche in der Tiefe angekommen – auch im Bereich Schaden.

So verwundert es nicht, dass der diesjährige Fachkongress „Innovatives SchadenManagement 2016“ ganz unter dem Einfluss der Digitalisierung stand. Von mobilen Anwendungen für Schadenregulierer vor Ort oder automatisierten Schadenprozessen bis hin zu selbstlernenden Systemen zur Erkennung von Betrugsfällen oder unstrukturierten Daten einer telefonischen Schadenanzeige – keine Zukunftsmusik, sondern bereits Realität in den großen Häusern der Branche. Verschiedene Dienstleister, Software-Hersteller und Versicherungsunternehmen schilderten anschaulich ihre Erfahrungen und Ansichten. Deutlich betont wurde, dass Digitalisierung nicht Rationalisierung entspricht, sondern mehrheitlich als Chance verstanden wird, die Beziehung zum Kunden wieder positiver zu gestalten.

Ungeachtet dieser Wünsche offenbaren die Erfahrungsberichte gepaart mit aktuellen Studien zur Zukunftsentwicklung unterschiedlichster Berufsfelder die rationalisierende, vielleicht auch dunkle Kehrseite der Digitalisierung: Von 702 untersuchten Berufsbildern gehören der Versicherungsschadenbearbeiter (Platz 689) und Underwriter (Platz 698) zu den Berufen, die von der Computerisierung am gefährdetsten sind. Zwei Beispiele des Fachkongresses könnten diese These nahelegen:

Zum einen der Einsatz intelligenter Software bei der Betrugserkennung im Rahmen von Schadenanzeigen und der damit möglichen automatisierten Schnellschadenbearbeitung. Bei der Auswertung interner und externer Daten hinsichtlich bestimmter Betrugsmuster können so deutlich schneller und qualitativ sicherer erste Entscheidungen getroffen werden. Nicht nur, dass das System deutlich mehr Daten parallel und in Echtzeit auswerten kann, es macht dies auch noch 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche mit der gleichen Qualität. Wenn es mir als Versicherer dann gelingt, die Potenziale einer „dunklen“ Schadenschnellregulierung auszuschöpfen (Kundenbenachrichtigungen, fiktive Rechnungen, Instant Payments etc.), schaffe ich enorme Kapazitäten für wichtigere Aufgaben. Noch bevor morgens um 7 Uhr die ersten Mitarbeiter kommen, kann das System einfache Schäden selbstständig über Nacht reguliert haben – der Kunde ist glücklich, weil alles so schnell geklappt hat, und die Mitarbeiter können sich den komplexen, anspruchsvollen Fällen zuwenden.

Diese Entwicklung kann sich unter Einbezug weiterer Züge von BigData und Analytics so zuspitzen, dass es in einzelnen Geschäftsfeldern gar keines Schadenmanagements mehr bedarf.

Ein praktisches Beispiel hierfür ist die „Total Weather Insurance“ (Ernteausfallversicherung) in den USA. Durch Berücksichtigung interner Daten zu den einzelnen Landwirten und Verknüpfung riesiger externer Datenmengen zu Wetter oder lokaler Bodenbeschaffenheit der gesamten USA lässt sich mit Hilfe statistischer Methoden vollautomatisch für jeden Landwirt eine Police rechnen und ein Schadenfall ebenso einfach regulieren – papierlos, schnell und unkompliziert – da freut sich auch der Bauer.

Mit zunehmenden Rechnerkapazitäten und dem Fortschritt künstlicher Intelligenz, zum Beispiel selbstlernender Systeme wird schnell deutlich, dass sich dieses Modell auch auf alle anderen Sparten und komplexere Schadenfälle übertragen lässt. Meiner Meinung nach wird das kein langfristiger Prozess sein, denn selbstlernende Software gibt es längst – Stichwort IBM Watson.

Wo ist dann der Unterschied zum heutigen Schadensachbearbeiter? Welche Tätigkeit im Rahmen eines Schadenprozesses bleibt dann übrig? Die Wichtigste! Die Kundenbeziehung zu pflegen. Denn Beziehungen bestehen (zumindest noch) ausschließlich zwischen Menschen. Insbesondere in komplexen, emotionalen Schadenfällen möchte der Kunde – auch digital Natives – durch die Prozesse begleitet werden, Entscheidungen transparent erklärt bekommen und Hilfe spüren. Zum Glück der Sachversicherung heißt Schadenregulierung nicht nur, eine Überweisung zu veranlassen, sondern den „Schaden“ zu beheben – mit Geld alleine habe ich noch kein neues Haus nach einem Brandschaden. Genau hier liegt die Chance der Digitalisierung für den Schadenbereich.

Beste Grüße
Ihr Ronny Kant

Ronny Kant ist Junior Sales Manager im Bereich Versicherungen und ist nebenbei ein sehr kreativer wie auch innovativer Schreiberling. Er interessiert sich für zukünftige Entwicklungstendenzen der Versicherungsbranche und die daraus resultierenden Herausforderungen für Versicherungsunternehmen. Vielleicht erfreut er uns auch in Zukunft mit weiteren Impulsen.

#Digitalisierung #Versicherungen #Schadenmanagement

Mal quergedacht: Wie versichert man einen menschlichen CYBORG?

Die Entwicklung vom Homo digitalis zum Cyborg!

Der Homo sapiens digitalis - also der digitale Mensch - ist eine Menschenart, die sich auf das Zusammenleben mit digitalen/technischen Werkzeugen weiterentwickelt hat und ohne sie nicht mehr leben kann! Die Gadgets sind für sie lebensnotwendig: angefangen beim Smartphone über Armbänder, die die eigene Fitness tracken, bis hin zu Smart Fingern. Vor dem Homo digitalis ist nichts sicher. Und eine Rückevolution ist ausgeschlossen, denn die nächste Evolutionsstufe ist bereits eingeläutet: der CYBORG. Der Cyborg ist die Weiterentwicklung des Homo digitalis. Während der Digitalis nicht genug bekommt von seiner intelligenten Hardware, verfügt der Cyborg über digitale oder künstliche Werkzeuge, Bauteile o. ä., die in seinem menschlichen Körper dauerhaft ergänzt sind. Der Homo digitalis hat gegenüber dem Cyborg den Vorteil, dass seine Werkzeuge, die für ihn den Wert eigener Körperteile haben, versicherbar sind und schon zum Produktsortiment der Versicherer gehören. Kauft Homo digitalis ein neues Smartphone, wird ihm dazu eine passende Versicherung angeboten. Aber wie sieht das beim Cyborg aus?

Ein technisch veränderter Mensch – halb ursprüngliches Lebewesen, halb Maschine

Ganz ehrlich, wenn es Ihnen ähnlich geht wie uns, dann ist dies eine teils erschreckende Vorstellung. Bei aller Faszination für Fortschritt oder auch beim Anblick der wachsenden Liste der Top 25 der menschlichen Cyborgs, ist die Vorstellung über einen Eyeborg zu verfügen wie Neil Harbisson (aktuell berühmtester Cyborg), doch noch sehr befremdlich. Vermutlich ist das auch ganz natürlich, denn schließlich ist das eine – im wahrsten Sinne des Wortes – einschneidende Veränderung unserer Gesellschaft und des Lebens allgemein. Je länger man versucht, dieses Zukunftsbild weiter, detaillierter zu zeichnen, umso klarer werden die Auswirkungen. Hiervon werden auch Versicherungen nicht ausgenommen sein.

Doch was ändert sich denn nun für die Versicherungen?

Ein kurzes Gedankenspiel: Die derzeitige Forschung ist bereits im Stande, erste Körperteile eines Menschen im Bio-3D-Drucker herzustellen und arbeitet nun an Organen. Eines unserer Volksleiden – der Bandscheibenvorfall – könnte so mit einem „neuen Rücken“ behoben werden. Ebenso könnten das mangelnde Angebot an Spenderorganen und alle damit verbundenen Skandale der Vergangenheit angehören. Mit diesen Bildern vor Augen müsste jede Private Krankenversicherung in derartige Forschung investieren. Doch wie geht man bei der Antragsprüfung mit einem Cyborg um? Die Wahrscheinlichkeit, dass die Anfragen schneller kommen als valide und auswertbare Schadendaten vorliegen, ist hoch.

Wie versichern wir Menschen, die zum Teil aus technischen Elementen bestehen und eventuell noch weitere Grundfähigkeiten besitzen? Etwa Neil Harbisson – der Cyborg mit dem künstlichen Auge. Er ist in der Lage, Farben ganz anders wahrzunehmen. Er sieht Farben in Tönen. Sehen Sie hier.



Sollte die Technik bald soweit sein, dass man eine Restlichtverstärkung für die eigene Wahrnehmung erhält und somit bei Nacht sicherer Auto fahren kann, wäre es nur fair, den Inhabern dieser Fähigkeit einen Prämiennachlass im Rahmen ihrer KfZ-Versicherung zu gewähren. Mit diesem Ansatz wäre es für Neil Harbisson auch wichtig, seine technischen Körperteile zu versichern. Damit beenden Cyborgs die Trennung der Sparten Sach- & Personenversicherung in Deutschland  ;)

Nehmen wir uns als weiteres, nicht ganz so weit entferntes Beispiel die Mikrochip-Implantate, die bei der Überwachung und Medikamenteneinstellung für chronisch kranke Menschen helfen, z. B. bei Diabetes oder Mul-tiple Sklerose. Mittlerweile können Sensoren zum einen Daten erheben (Insulin- & Blutzuckergehalt) und diese an ein externes Gerät (Smartphone + App) senden sowie die Medikamentenabgabe automatisch steuern. Für die Patienten ist das ein riesiger Gewinn an Lebensqualität. Doch jede Schnittstelle zur Kommunikation nach außen kann für andere Systeme ein Einfallstor sein. Kurz: So ein Chip kann gehackt werden! Und es gab bereits Cyborgs, die sich freiwillig hacken ließen.

Wie wird ein solches Schadenszenario in der Personenversicherung berücksichtigt? Sei es bei Risikolebensversicherungen, Berufsunfähigkeitsschutz und Krankenversicherung? So mancher Aktuar wäre da recht pragmatisch: Nicht versicherbar! Da nur an Diabetes alleine in Deutschland 10 Prozent der Menschen erkrankt sind, würde das viele Menschen ausschließen. Wohlgemerkt, wir reden hier immer noch nur über eine Form der Cyborgs. Bei allen Formen einfach immer Ablehnungen auszusprechen, wäre langfristig sicherlich nicht hilfreich für ein tragendes Geschäftsmodell in der Personenversicherung. Doch die Frage nach einer geeigneten Risikoanalyse und Tarifierung bleibt…

Bis zum zweiten Teil dieses Beitrags, in dem wir noch ein Stück weiter spinnen ;-)

Viele Grüße
Hannah und Ronny

#Digitalisierung #Versicherung #Cyborg #Homodigitalis #VersicherungenderZunkunft

Hannah Victoria Groß ist Expertin für Online- und Social-Media-Marketing bei der PPI AG. Sie übernimmt die Moderatorenrolle dieses Blogs und liefert regelmäßig Impulse für das Label "Mal quergedacht". Nebenbei spürt sie auch Autoren zum gastbloggen auf ;-)

Ronny Kant ist Junior Sales Manager im Bereich Versicherungen und ist nebenbei ein sehr kreativer wie auch innovativer Schreiberling. Er interessiert sich für zukünftige Entwicklungstendenzen der Versicherungsbranche und die daraus resultierenden Herausforderungen für Versicherungsunternehmen. Vielleicht erfreut er uns auch in Zukunft mit weiteren Impulsen.

Der Ruf nach Standard

... wird wieder lauter. Standard oder auch "Standardisierung" ist wieder Thema und die alte Diskussion über Vor- und Nachteile wird erneut geführt. Insbesondere die Softwarehersteller nutzen den Druck der Digitalisierung auf die Versicherungsunternehmen und bedienen sich der drei Evergreens der Unternehmensziele:


  1. Komplexitätsreduktion
  2. Kostenreduktion
  3. Prozessoptimierung
Die Frage ist, wie viel Standard kann mein Unternehmen überhaupt verkraften, um diese Ziele zu erreichen? In diesem Blogbeitrag versuche ich ein paar Denkanstöße zu geben, wie man das Maß an Standard-Portionierung sinnvoll angehen könnte.
Wer meine vorherigen Blogbeiträge gelesen hat, weiß, dass ich am Anfang immer Wert darauf lege, ein Mindestmaß an gemeinsamem Verständnis herzustellen. Der Begriff Standard oder Standardisierung hat viele Ausprägungen und kann dementsprechend viele Bedeutungen bezüglich Sinn und Zweck annehmen. Ein paar Beispiele:
  • Standardprozess
  • Standardprodukt
  • Standardschnittstelle
  • Standardsoftware
Ohne genaue Zahlen parat zu haben, würde ich gefühlt sagen, dass Standardsoftware in der Beliebtheit derzeit Platz 1 belegt, dicht gefolgt von Standardschnittstellen. Aber auch die Standardisierung von Prozessen und Produkten ist sehr verbreitet.

Spannend finde ich es, wenn die Begriffe umgedreht werden, wenn zum Beispiel aus „Standardprodukt“ „Produktstandard“ wird. Sofort ergibt sich eine nicht ganz unwesentliche Änderung in der Bedeutung, die in einer Diskussion durchaus zu Verwirrung führen kann. Und über die Anforderungen an Produkte habe ich an anderer Stelle ausführlicher berichtet (Link auf Digitales Produktmanagement).

Bevor ich aber für all diese Beispiele versuche, den inhaltlichen Unterschied und ihren Einfluss auf Kosten, Komplexität oder Produktivität darzustellen, mache ich es mir einfach: Letzten Endes haben alle signifikanten Einfluss auf unsere drei Unternehmensziele.
Allerdings beruhen Ziele auch auf Strategien. Aus diesem Grund möchte ich den Focus mit folgenden Fragen erweitern:

Produktstrategie
Bin ich in Zukunft ein Premiumanbieter mit ausgeprägtem Identitätsmanagement? Oder bin ich der Marktführer im Economy-Segment mit bestem Preis-Leistungs-Verhältnis?

Digitalisierungsstrategie
Fokussiere ich mich auf digitale Lösungen? Oder steht für mich der Kunde im Mittelpunkt (vgl. CISR, „Define Your Digital Strategy – Now“)?

Wenn die Strategie bekannt ist, können Managementprozesse (Architektur-, Prozess-, IT-, Produktmanagement) zielgerichtet Standardisierungspotenziale identifizieren und heben.
In den kommenden Beiträgen möchte auf diese beiden Fragen näher eingehen und Möglichkeiten der Standardisierung beleuchten.

Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Denkanstoß geben und freue mich auf Ihr Feedback.

Beste Grüße
Robert Schnittger

#Komplexitätsreduktion #Kostenreduktion #Prozessoptimierung #Standardprodukt #Standardprozess #Standardschnittstelle #Standardsoftware

Warum tragen Hacker Hüte, und was ist eigentlich ein Hack?

Nachdem wir uns in unserem letzten Beitrag zum Thema Cyber mit der Versicherungsseite beschäftigt haben, wollen wir heute den Fokus auf einige grundsätzliche Begriffe lenken.

Zunächst wird zwischen zwei Arten von Cyberkriminalität unterschieden.
Zum einen die Computerkriminalität, in der ein Hack-Angriff von einem x-beliebigen Computer direkt auf ein entsprechendes Programm stattfindet.

Zum anderen die sogenannte Internetkriminalität, in der der Hack-Angriff über das Internet stattfindet. Es wird also zwischen Offline- und Online-Hack-Angriffen unterschieden.

Gerade die Internetkriminalität rückt vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Möglichkeiten, die das Internet bietet, sind schier grenzenlos. Und die im Internet herrschende Anonymität macht ein Zurückverfolgen auf den Ursprung des Angriffs zur sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Aber was genau macht einen Hack-Angriff aus?
Das Wort Hack, was frei übersetzt so viel wie technischer Kniff bedeutet, ist ursprünglich die Idee, eine Software oder ein Produkt so zu konfigurieren, dass es eine nicht vorgeschriebene Tätigkeit ausführt. Zum Beispiel die Kaffeemaschine durch eine Programmierung dazu zu bringen, ein Stück Brot zu toasten. Heutzutage wird der Begriff „Hack“ vor allem im negativen Sinne verwendet. Er wird mit sogenannten „Hackern“ assoziiert, im Sprachgebrauch die für den Hack verantwortlichen Personen.

Welche verschiedenen Typen von Hackern gibt es?
Grundsätzlich lassen sich Hacker in drei verschiedene Gruppen einteilen: White-Hats, Black-Hats und Grey-Hats. Jede Gruppe folgt einer anderen Motivation und muss in ihrem Gefahrenpotenzial unterschiedlich bewertet werden.

Unterschiedliche Formen von Hackern:

#WhiteHats - Weiße Hüte
Die White-Hats übernehmen sinngemäß die Rolle einer Online-Polizei, die versucht Systeme sicherer zu machen. Ein White-Hat versucht mit Hilfe seiner Expertise möglichst hohe unüberwindbare Hürden zu erschaffen, sodass die Schwarzen Hüte (Black-Hats) nahezu keine Chance haben, diese zu durchbrechen. Sie können mit ihrem Wissen bei der Suche und Identifikation potenzieller Black-Hats helfen.

#BlackHats – Schwarze Hüte
Das Wort Hacker wird gesellschaftlich meist mit Personen verbunden, die Computersysteme knacken und Schaden zufügen. Die Black-Hats bedienen dieses Klischee zu 100 %. Sie können als das „Böse“ bezeichnet werden. Sie handeln vorsätzlich mit krimineller Energie und verfolgen nur die eigenen Interessen. Es ist ihr Ziel, anderen zu schaden, indem sie bestehende Systeme zerstören oder möglichst großen Schaden anrichten. Genauso gut kann  aber auch die eigene Bereicherung als Motiv hinter ihren Hacks stecken; zum Beispiel eine Bank-Datenbank zu knacken, um die Geldflüsse umzuleiten, oder kundenbezogene Daten zu verändern, um diese dann auf gleiche Weise zur Bereicherung zu verwenden.

#GreyHats – Graue Hüte
Die Grauen Hüte lassen sich nicht in die Kategorien Gut oder Böse einordnen. Sie sind vergleichbar mit einem sich selbst ernannten Sheriff, der grundsätzlich ein „höheres“, der Gesellschaft dienendes Ziel verfolgt. Um dieses zu erreichen, ist er jedoch bereit, Gesetze zu missachten.
Ziel dieser Gruppe ist es, Sicherheitslücken aufzudecken, indem sie sich in Systeme einhacken, Firewalls zerstören oder sonstige Unruhe verursachen. Dass sie dadurch eventuell Schaden anrichten oder auf dem Weg dahin Gesetze brechen, ist ihnen egal, da sie nach ihrer Anschauung ein höheres Ziel verfolgen.

Zur Bewertung des Cyber-Risikos wäre es sowohl aus Sicht der Unternehmen als auch aus Sicht der Versicherer zielführend, White-Hats in die Risikobewertung einzubinden. Leider sind White-Hats eher in der Minderheit gegenüber der „bösen Seite“, und ein Einsatz ist kostspielig und zeitintensiv.

Vor diesem Hintergrund wäre es insbesondere für den Cyber-Versicherungsmarkt sinnvoll, über die Entwicklung und Einsatzmöglichkeit von technologischen White-Hats (White-Hat-Bots) nachzudenken. Dadurch könnten Risiken effizient durch eine „Hacker-Brille“ betrachtet und risikogerechte Bewertungen durchgeführt werden.

Wir hoffen, dass Ihnen die Einordnung der Begriffe geholfen hat, und würden uns freuen, Sie auch nächsten Monat wieder als Leser zu begrüßen.

Viele Grüße
Felix Fiedler und Jonas Schwade

Felix Fiedler wird diesen Blog ab sofort und regelmäßg mit Beiträgen rund um das Thema "Cyber" versorgen. Er wird damit ein neuer Stammautor unseres Blogs und zeigt die Kehrseite und die Schwachstellen zunehmender Digitalisierung auf. mehr zu Felix

Jonas Schwade ist Diplom-Kaufmann und arbeitet bei PPI als Consultant im Bereich Versicherungen.
Seine Schwerpunkte liegen im Bereich der Kommunalversicherungen sowie in allen gesundheitlich relevanten Fragen rund um das Thema Versicherung.

#Cyber #Cyberkriminalität #Hacker #White Hats #Black Hats #Grey Hats

Gastbeitrag: Vermeidbare Medienbrüche - Teil 2 am Beispiel Berichtswesen

Unternehmensintern bestehen Brüche in der digitalen Verarbeitung teilweise bereits dann, wenn Daten von einer Abteilung in die nächste geliefert werden müssen, z. B. Daten eines regelmäßigen Berichtswesens. Fast jeder kennt die Situation, dass erhaltene Daten ausgedruckt und manuell in dem persönlich favorisierten Format weiter verarbeitet werden. Eine digitale Verarbeitung ist hierbei nicht gegeben und unter Effizienzgesichtspunkten optimierungsbedürftig.

Aufgrund der vielfältigen Verflechtungen und Anforderungen ergibt sich folgende Situation eines regelmäßig anzutreffenden „gewachsenen“ Berichtswesens:
PPI AG - Unstrukturiertes Reporting

Die Übersicht zeigt eine Vielzahl von Informationsübermittlungen, die in der Regel zum Zeitpunkt des Informationsbedarfs abgestimmt werden müssen. Es entstehen Redundanzen, weil die Daten nicht einmalig, sondern mehrfach versendet werden. Außerdem sind die Daten nicht allgemein verfügbar.

Eine Lösungsmöglichkeit besteht - wie bereits im 1. Blobeitrag beschrieben - in der bilateralen Vereinbarung (das „Sprechen derselben Sprache“), was aber unter Kosten- und Nutzengesichtspunkten sowie unter Berücksichtigung von Häufigkeit, Regelmäßigkeit und Datenvolumen zu prüfen ist.

Eine weitere Möglichkeit bietet die unternehmensweite Vereinbarung der Datenformate der übermittelten Informationen. Hier wird ein gültiges Format für die jeweilige Information für das gesamte Unternehmen vorgegeben, das für alle Empfänger gültig ist. Zeitliche Aufwände fallen somit nur einmalig im Definitionszeitpunkt an. Technisch ist die Lösung mit einem Datawarehouse umsetzbar, in das die liefernde Abteilung die Information schreibt, während die empfangende Abteilung nur Leserechte erhält.

Eine strukturierte Informationsplattform zeigt diese Darstellung:
PPI AG - Strukturiertes Reporting durch Einbindung eines DataWareHouses

Eine Übersicht zeigt klare eindeutige Informationsübermittlungen, die ohne weitere Abstimmungserfordernisse für eine Vielzahl von Empfängern zur Verfügung steht. Die Lösung hat neben der direkten Entkopplung von Sender und Empfänger weitere Vorteile:

  • Sämtliche Daten sind zentral verfügbar.
  • Die Daten stehen für Zeitreihen zur Verfügung.
  • Der Empfängerkreis kann beliebig ohne großen Aufwand erweitert werden.
  • Durch die Erstellung des Zeitplanes inklusive der Datendefinitionen ist keine Rücksprache notwendig, wann Daten verfügbar sind.
  • Da dieselben Daten nicht mehrfach an unterschiedliche Empfänger gesendet werden, entfallen Redundanzen.
  • Speicherplatz wird gespart.
  • Das DWH ist flexibel erweiterbar.
  • Das DWH ist vom Fachbereich justierbar.
  • Es gibt eindeutige Datenformate.

Fazit:

Die Forderung nach einer möglichst vollständigen, automatisierten Digitalisierung ist zurzeit im Trend. Tatsächlich können mit der Umsetzung erhebliche Einsparpotenziale im Unternehmen realisiert werden. Um diese heben zu können, müssen die vorhandenen Ablauf- und Aufbauprozesse analysiert werden. Und an den Stellen, an denen eine digitale Verarbeitung nicht möglich erscheint, ist vielfach nur die Vereinbarung eindeutiger Vorgaben notwendig, um Brüche im Prozessablauf zu vermeiden.

Freundliche Grüße
Christian Klein


Christian Klein ist Diplom-Kaufmann wie auch Versicherungskaufmann und arbeitet bei PPI im Bereich Consulting Versicherungen als Senior Consultant.
Seine Schwerpunkte liegen insbesondere bei Rechnungslegung, Berichtswesen und Controlling.


#Digitalisierung #Versicherungen #Berichtswesen # Reporting #Data Warehouse #Rechnungslegung #Controlling

Digitale DNA - POSS und die Bedeutung einer Produktkomponente

Wird die Bedeutung einer Produktkomponente für die Versicherungsanwendungslandschaft der Zukunft unterschätzt?
 

Ich meine jein …

Nachdem ich in meinem letzten Beitrag eher auf das Thema Denken in Plattformen und die drei großen notwendigen Plattformen eingegangen bin, will ich heute auf einen Teil des „Kitts“ eingehen, der die drei Plattformen zusammenhält.

Das Kunden-, Vertriebspartner- und Produktwissen. Wie Sie es von mir ab und an gewohnt sind, nehme ich Sie jetzt mit auf eine kleine Reise in die Zukunft …

Stellen Sie sich vor, Sie hätten die Aufräumarbeiten in Ihrer Anwendungslandschaft, an der viele Versicherer gerade arbeiten, beendet und hätten jetzt die ideale Produktkomponente als „Kitt“ zwischen den drei Plattformen der Landschaft. Dann würde eine schnelle „Time-to-Market“ sinnvoller Produktneuerungen und ‑innovationen für Sie kein Thema sein und auch eine vollständige Automatisierung des Massengeschäftes (Neu- und Änderungsgeschäft) rückte in greifbarere Nähe.

Wie sieht so eine ideale Produktkomponente aus?

In unserer PPI-Welt ist sie so zu beschreiben:
  • zentrale Ablage aller notwendigen Produkt- und Tarifierungsregeln für Neu- und Änderungsgeschäft, für den Schaden-/Leistungsfall, für das In-/Exkasso an einer zentralen Stelle
  • Zugriff aller Anwendungskomponenten, die Produktinformationen benötigen, via (Web-)Services
  • einfache Änderbarkeit dieser Produktinformationen und ‑‑regeln durch kundige Fachbereichsmitarbeiter
  • Abbildung von Produktänderung in wenigen Stunden
  • Abbildung von Produktinnovationen in wenigen Tagen
Wenn Sie dann noch die „Kleinigkeit“ einer neuen Art und Weise der Ausgestaltung des Produktportfolios (= Produktarchitektur), einen integrierten Produktentwicklungsprozess (by-the-way alles Dinge, die auch die IDD fordert …) und alle notwendigen Voraussetzungen für die schnelle technische Produktimplementierung (u. a. auch Testautomatisierung) geschaffen haben, dann sind Sie dem Ziel schneller „Time-to-Market“ und Automatisierung sehr nahe gekommen …

Bevor sich aber jetzt der letzte geneigte Leser von diesem Blogbeitrag abwendet, weil er eher an das Wort von Helmut Schmidt –„Wer eine Vision hat, der soll zum Arzt gehen“ – denkt, zurück zur Realität und zur Eingangsfrage dieses Blogbeitrags.

In meinem Austausch mit Versicherungen aller Größen zum Thema Produktkomponente erlebe ich in der Diskussion die ganze Bandbreite an Wahrnehmungen und Meinungen zum Thema Produktkomponente: von „Was ist das?“ auf der einen Seite, bis zu „Ich brauche nur eine perfekte Produktkomponente einzuführen, und dann sind alle meine Probleme gelöst …“ auf der anderen Seite.

Und wie sehe ich diesen Punkt? Mehr dazu in einigen Wochen …

Einen schönen und erfolgreichen Tag wünscht
Tobias Kohl


#digitaleDNA #POSS #Produktkomponente #Produktwissen #Kundenwissen #Vertriebswissen

Gastbeitrag: Vermeidbare Medienbrüche - Teil 1 am Beispiel Rechnungslegung

Digitalisierung ist eines der zurzeit am häufigsten genannten Themen in der Versicherungswirtschaft. Aber was genau ist damit eigentlich gemeint? Ganz allgemein ist darunter der gesamte Vorgang von der Datenerfassung und Aufbereitung bis zur Speicherung von analogen Informationen auf einem digitalen Speichermedium zu verstehen. Intuitiv ist nachvollziehbar, dass Prozesse mit einem hohen Automatisierungsgrad Kosten- und Zeitvorteile gegenüber manuellen Tätigkeiten bieten.

Was gestaltet sich bei der Digitalisierung von Prozessen so schwierig, dass eine manuelle Bearbeitung (vermeintlich) unumgänglich erscheint? Schließlich sollte doch fast alles, was manuell machbar ist, sich auch automatisieren lassen.

Nehmen wir zur Veranschaulichung das Beispiel der Rechnungsbearbeitung als einen Prozess, der nicht versicherungsspezifisch ist und ein gewisses Mengengerüst in jedem durchschnittlichen Unternehmen aufweist. Grundsätzlich ist dieser Prozess ungeregelt. Der Inhalt der Rechnung, die der Umsatzsteuer unterliegt, ist durch das Umsatzsteuergesetz (UStG) vorgegeben. Der Arbeitsprozess sah früher und sieht regelmäßig noch heute wie folgt aus: Der Lieferant verschickt nach erfolgter Lieferung oder Leistung seine Rechnung. Diese wird inhaltlich und sachlich auf Richtigkeit geprüft, ausgedruckt und manuell in das Rechnungserfassungssystem eingegeben. Nach dem erfolgten Zahlungsausgleich wird die Rechnung zu Dokumentationszwecken als Beleg physisch abgeheftet.

Um eine durchgängige Digitalisierung zu erreichen, wäre eine vollautomatisierte Verarbeitung der in elektronischer Form vorliegenden Rechnung optimal.

Der erste Schritt, der Rechnungsversand in elektronischer Form, wird mittlerweile schon aus Gründen der Portoersparnis praktiziert, indem die Rechnung im PDF-Format als E-Mail-Anhang dem Leistungsempfänger zugesandt wird. Eine digitale Weiterverarbeitung dergestalt, dass die in der Rechnung enthaltenen Informationen den (digitalen) Weg in das Rechnungsverarbeitungssystem finden, ist aber (noch) die Ausnahme. Regelmäßig wird der Anhang ausgedruckt, manuell eingegeben (digitalisiert) und abgeheftet (auch wenn rechtliche Bestimmungen mittlerweile die Speicherung von Rechnungen in digitalisierter Form vorschreiben, falls diese digital das Unternehmen erreicht haben).

Analysiert man den „Bruch“ in der digitalen Verarbeitung, so ist erkennbar, dass trotz der Einigkeit über die Art der übermittelten Informationen (Betrag, Währung, Rechnungsnummer, Bankverbindung, USt-ID. usw.) Uneinigkeit darüber besteht, an welcher Stelle die Informationen enthalten sind und wie eine Übergabe in die maschinelle Verarbeitung aussehen könnte. Es mangelt somit an der Vereinbarung bzw. an der Definition der Datenübermittlung, letztlich an der Definition der Datenschnittstelle. Oder um es ganz einfach zu sagen: „Man spricht nicht dieselbe Sprache“. Der Gesetzgeber hat das vorgenannte Problem erkannt und mit der „elektronischen Rechnung“ eine für alle Beteiligten vorteilhafte Lösung geschaffen, die neben der automatisierten Verarbeitung Rechtssicherheit über das Vorgehen gibt und ein einheitliches Datenformat spezifiziert (ZUGFeRD-Format). Durch das Einhalten dieser Konventionen ist eine Kommunikation durch denselben Sprachgebrauch möglich.

Kommunikation ist grundsätzlich über zwei Wege möglich: Entweder man spricht dieselbe Sprache oder man behilft sich eines Übersetzers.

Die zweite Möglichkeit, die Einbindung eines „Übersetzers“ ist ebenfalls ein interessanter Lösungsansatz. Wer kennt nicht den Werbespot, in dem ein Fahrgast auf dem Rücksitz im Taxi mit dem Handy seine Rechnung bezahlt? Falls Sie ihn nicht kennen sollten, ist hier der Youtube-Clip:



Eine App erkennt durch das Fotografieren sämtliche notwendigen Informationen der Rechnung und bereitet die Daten zur Rechnungsbegleichung auf. Der Nutzer gibt die Zahlung nach Prüfung frei.
Dieser Ablauf ließe sich gedanklich noch weiter vereinfachen: Die Rechnung müsste gar nicht mehr fotografiert werden, sondern eine als PDF vorhandene Rechnung könnte direkt in eine Bezahl-App eingelesen werden. Grundsätzlich sind hier verschiedenste Lösungsansätze denkbar, die zu einem vollständig digitalisierten Ablaufprozess führen würden.

Inwieweit sich die genannten Lösungsansätze im Versicherungsunternehmen auch in anderen Bereichen nutzen lassen, erfahren Sie in Teil 2 am 27.10.2016.

Freundliche Grüße
Christian Klein


Christian Klein ist Diplom-Kaufmann wie auch Versicherungskaufmann und arbeitet bei PPI im Bereich Consulting Versicherungen als Senior Consultant.
Seine Schwerpunkte liegen insbesondere bei Rechnungslegung, Berichtswesen und Controlling.


#Digitalisierung #Versicherungen #Rechnungslegung #Berichtswesen #Controlling

Innovationen treiben mit dem Fallschirmsprung Prinzip

Innovations Funnel
Was wir vom Fallschirmspringen über den Weg zu Innovationen lernen können

Wir wissen bereits, dass die Digitalisierung in der Finanzbranche sich auf alle Komponenten der Geschäftsmodelle auswirkt: vom Leistungs- bzw. Produktangebot der Versicherer über die Art und Weise wie mit Kunden kommuniziert wird, wie Produkte vermittelt werden und wie im Hintergrund mehr und mehr Dienste in Kooperation mit Fintechs bereitgestellt werden. Dabei stellen insbesondere die interne Organisation und IT unabhängig vom Geschäftsmodell den Motor der Strategie dar.

Doch genau dieser Motor beginnt bei Versicherern zu stottern. Die Kosten sind zu hoch, die Prozesse zu langsam und unflexibel, die IT-Systeme veraltet und die Organisation nicht vorbereitet auf die stetigen Veränderungsprozesse. Einen Teil der Lösung prognostizieren sowohl Forscher als auch Wirtschaftsexperten in der verstärkten Kooperation mit Fintechs. Wie kann sich ein Versicherer diesen Problemlösungsansatz effektiv zunutze machen? Ich empfehle an dieser Stelle das Fallschirmsprung-Prinzip.

1. Schritt: Der Theorieunterricht
Jeder, der bereits einen Fallschirmsprung allein absolviert hat, wird es wissen. Es gibt keinen Sprung ohne das entsprechende theoretische Wissen über den Ablauf, die Handgriffe sowie die Gefahren des Fallschirmspringens. Denn wer will schon ein übermäßiges Risiko eingehen? Genauso sollte bei der Arbeit mit Fintechs vorgegangen werden. Zunächst stellt sich die Frage, welche Bedeutung Fintechs für das jeweilige Versicherungsunternehmen haben und welche Fintechs es überhaupt am Markt gibt. Weiterhin sollte für das jeweilige Marktsegment, z. B. Vermittlung Elektrogeräteversicherungen, genauestens evaluiert warden, wie volatil das entsprechende Marktsegment ist. Insbesondere bei volatilen Bereichen muss das Risiko von Kooperationen genau abgewogen werden.

2. Schritt: Die Sprungausbildung

Der Theorieunterricht ist beendet. Geht es nun schon los ins Flugzeug? Noch nicht! Wer kennt es nicht, mehrere Tage wird die Theorie immer wieder geübt und auswendig gelernt. Aber in der eigentlichen Gefahrensituation bleibt von diesem Wissen oftmals wenig bis gar nichts übrig. Wer das erste Mal in einem Fallschirmsprung-Simulator das Verhalten eines sich nicht öffnenden Fallschirms übt, wird mich an dieser Stelle verstehen. Mit Fintechs zu kooperieren, muss ebenfalls geübt werden. Dafür ist es wichtig, die Fintechs und ihr Verhalten bewerten zu können. Agiert das jeweilige Fintech in einem dynamischen Netzwerk oder mit einer stabilen Anzahl von Partnern? Integriert ein Fintech einzelne Dienstleistungen der Versicherungsunternehmen oder agiert es autark als Betreiber einer Plattform? Welchen inhaltlichen Zweck sollen die Fintechs in meinem Versicherungsunternehmen erfüllen? Stehen beispielsweise Produktinformationen, übergreifende Vertragsinformationen oder gar eine tiefe Integration in die IT-Architektur im Fokus?

Spielen Sie die verschiedenen Szenarien durch und messen Sie diese an Ihren Geschäftszielen. Nur so können Sie die richtige Entscheidung für mögliche Kooperationspartner vorbereiten.

3. Vor dem Sprung

Bereits vor dem Start wurden Trockenübungen in Form von ersten Prototypen entwickelt und getestet, um das bestmögliche Zusammenspiel von Fintech und Versicherungsunternehmen zu ermöglichen.

Die Anspannung wächst. Das Flugzeug startet und die Zahl auf dem Höhenmesser steigt unaufhörlich an. Genau an dieser Stelle ist es wichtig, die richtigen Akteure an seiner Seite zu wissen. Mitstreiter aus dem eigenen Unternehmen, Fintechs aus den zuvor gewählten Bereichen und - insbesondere bei den ersten Sprüngen - einen Fallschirmsprung-Lehrer. Kurz vor dem Sprung werden noch einmal die Handgriffe durchgegangen und die messbaren Ziele für einen erfolgreichen Sprung definiert.

4. Der Weg vom Flugzeug zurück auf die Erde


Absprung! Freier Fall! Nun heißt es, die Aussicht genießen und sicher zu Boden gleiten. An dieser Stelle unterscheidet sich das Fallschirmspringen immens von einer innovativen Kooperation von Versicherungsunternehmen und Fintech. Ist beim Fallschirmspringen die sichere Landung unabdingbar, wird eine Bruchlandung bei der Kooperation mit einem Fintech einkalkuliert. Die meisten Kooperationen scheitern auf dem Weg zur operativen Umsetzung – und dies ist auch gut so! Nicht jede Idee ist eine gute Idee, nicht jede Idee kann ein Erfolg ein. Aus diesem Grund sollte jedem klar sein, dass das Motto „Fail Often. Fail Hard. Fail Cheap.“ nicht nur ein Motto ist. Es ist der Schlüssel, eine Idee mit möglichst geringen Mitteln zur Projektreife zu führen, um Ideen auch einmal einstampfen zu können. So haben Sie die Möglichkeit, potenziell lukrative Ideen in entsprechende Projekte zu überführen.

Ihr Julian Schmidt

#Digitalisierung #Versicherung #Innovationen #Fintechs #IT-Systeme


Sicher in die Zukunft: Cyber-Versicherungen in Zeiten der Digitalisierung


Die fortschreitende Digitalisierung führt zu mehr Bedrohungen durch Cyber-Angriffe. Das bedeutet für den deutschen Versicherungsmarkt großes Potenzial, bringt aber auch neue Herausforderungen.
Im Vergleich zu anderen Versicherungsprodukten für Industrieunternehmen sind bei einer Cyber-Versicherung das gedeckte Risiko und der potenzielle Schaden schwerer zu ermitteln. Es fehlt an historischen Daten zu Cyber-Vorfällen, was eine Prognose für die Zukunft erschwert. Auch die Größe des finanziellen Schadens lässt sich nur schwer abschätzen, denn die „Cyber-Bedrohung“ unterliegt einer zeitlichen Dynamik und ist ständig im Wandel. Dies steht im Kontrast zu den üblichen branchenspezifischen Risiken, gegen die sich Unternehmen versichern lassen. Anders als bei einem Großbrand kann ein Angreifer auf die Schutzmaßnahmen eines Unternehmens reagieren und bleibt somit eine permanente Bedrohung, die sich immer wieder verändert.
Aber was kann ein Versicherer tun, wenn der Cyber-Schaden erstmal da ist? Zum einen kann er sich auf das reine Versicherungsprodukt zurückziehen und die versicherten Kosten decken. Zum anderen kann er die Versicherung zu einem Service ausbauen: Assistance-Leistungen wie Abwehrmaßnahmen ergreifen oder beschädigte Systeme wiederherstellen können den Schutz erweitern. Dies passt zur Charakteristik des Cyber-Risikos: Nicht jedes Ereignis muss zwangsläufig zu einem Schaden führen. Der Versicherer hat also durchaus Möglichkeiten, durch schnelles Eingreifen die zu leistende Schadenssumme zu minimieren.

Doch welche Kosten kann solch ein Ausfall überhaupt verursachen?
  • Daten wiederherstellen
  • Schadenersatzansprüche Dritter wegen Vertraulichkeit und Datenschutz
  • Betriebsunterbrechung
  • Vorfall aufklären
  • Umsatzverluste durch Betriebsunterbrechung
  • Vertragsstrafen und Bußgelder
Der Versicherer muss tendenziell für eine breite Palette an Kosten aufkommen. Allein der Betriebsausfall für einige Stunden bedeutet für einen Onlinevertreiber hohe Umsatzverluste. Zudem arbeiten möglicherweise mehrere versicherte Unternehmen auf ähnlichen Systemen, so dass bei einem Großausfall das Prinzip des Ausgleichs im Kollektiv nicht mehr greift. Herkömmliche Kumule wie Postleitzahlen oder Branchen helfen dem Versicherer nicht, dieses Risiko zu erkennen. Gemeinsame Dienstleister wie Cloud-Anbieter, Internet Service Provider oder identische Software sollten bei der Kumulbildung in den Fokus rücken. Darum müssen die Versicherer dringend eine eigene technische Expertise aufbauen und auch die IT-Dienstleister mit in die Pflicht nehmen.


Auf dem deutschen Markt sind Cyber-Versicherungen längst angekommen und sollten (spätestens jetzt) auf der Agenda eines jeden Versicherers stehen. Erste Produkte gibt es bereits seit 2012, und immer mehr Anbieter nehmen diesen neuen Geschäftsbereich ins Visier. Da stellt sich die Frage: Wie bin ich der Konkurrenz einen Schritt voraus? Zum einen sind Versicherer nicht mehr nur Risikoträger, sondern können auch als IT-Experten mit umfangreichen Zusatzservices auftreten, um das Sicherheitsbedürfnis der Kunden zu befriedigen. Zum anderen bedarf es entsprechender Governance-Strategien für Worst-Case-Szenarien, um das Risiko besser zu durchdringen. Zusammen mit der richtigen Vermarktung sind diese Punkte der Kern einer erfolgreichen Cyber-Strategie und der Schlüssel für den entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Viele Grüße

Felix Fiedler und Metin Tapirdamaz

PS: Lesen Sie auch unseren Besuchsbericht von der CyberRisks 2016

Felix Fiedler wird diesen Blog ab sofort und regelmäßg mit Beiträgen rund um das Thema "Cyber" versorgen. Er wird damit ein neuer Stammautor unseres Blogs und zeigt die Kehrseite und die Schwachstellen zunehmender Digitalisierung auf. mehr zu Felix


Metin Tapirdamaz ist Mathematiker und bei PPI als Consultant für Versicherungen tätig. Seine Schwerpunkte liegen sowohl in aktuariellen als auch in technologischen Themen – insbesondere in der Kombination aus beidem.